Freihändig gegen den Wind von Nicole Grün aus dem Herder-Verlag

Mit dem Roman „Freihändig gegen den Wind“ von Nicole Grün ist im Herder-Verlag ganz aktuell ein weiteres Werk der sehr beachtens- und lesenswerten Buchreihe „Geschichten für die entspannte Me-Time“ erschienen. Dieses erfreut gleich zu Beginn mit einem farblich und ästhetisch ausgesprochen ansprechendem Buchcover sowie einem Lesezeichen, das sofort den Puls der so häufig aufgrund der zahlreichen, gleichzeitigen Alltagsbelastungen gestressten Frauen zuverlässig senken wird. Dabei hat die studierte Politikwissenschaftlerin und VW-lerin Nicole Grün, welche auch als Journalistin arbeitete, einen interessanten Plot entwickelt. So zeichnet sie gekonnt das Bild eines ehemaligen, allmächtigen Chefredakteurs, welcher jahrzehntelang davon überzeugt war, dass er keinerlei Freundschaften pflegen müsse.

Nach seinem abrupten Karriereende lebt er nun verhärmt und verbittert mit 75 Jahren nach dem Tod seiner Ehefrau in einem Seniorenheim (das übrigens einen sehr kreativen Namen trägt, der mich stark an das Münchner Augustinum erinnert), bis er auf einen zwölfjährigen Jungen trifft, welcher, wenn auch aus völlig anderen Gründen, ebenfalls ein Außenseiter wie der ehemalige Machertyp Peter Lenz ist. Der Autorin gelingt es hervorragend, eine sehr berührende und fesselnde Geschichte zu schreiben, in der man an jeder Stelle des Romans tief spürt, was wirklich im Leben zählt.

Dieser Roman besitzt eine große therapeutische Kraft, vermittelt er doch höchst anschaulich, dass jede/r zweite und dritte Chancen nutzen darf und soll und dass eine tiefe Freundschaft in zahlreichen Notsituationen die einzige Rettung sein kann. Die Handlung ist sehr reizvoll konzipiert und die beiden Handlungsschauplätze und Vorstellungen der zwei so unterschiedlichen und sich schlussendlich doch frappierend ähnelnden Protagonisten in Form des 75-jährigen Peter Lenz und des 12-järhigen Toni Reisinger wechseln sich stets kunstvoll und mit fließenden Übergängen ab. Witzigerweise ist dies das erste Buch, das ich kenne, in dem nicht nur eine Figur denselben Vornamen wie ich trägt, sondern sogar im Handlungsverlauf von einer Person die Rede ist, welche meinen Mädchennamen als Nachnamen trägt.

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