
Bereits das Titelbild strahlt eine gewisse geheimnisvolle Atmosphäre, ja sogar Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung aus. Und so führt einen der ganz aktuell im Kremayr&Scheriau-Verlag erschienene Roman „Die grünen Augen der Liza de Mink“ von Constantin Schwab unverzüglich in das Geschehen. Dieses spielt im Jahre 1975 und wird aus der Ich-Perspektive eines Privatdetektivs erzählt. Aus einem Vermisstenfall eines jungen Mädchens, wie es ihn früher wie heute so unzählige Male zu beklagen gibt, entwickelt sich rasch ein ganz besonderer Fall. So vermutet die Mutter Agata de Mink, dass sich ihre 17-jährige Tochter Liza de Mink aus Antwerpen in den Fängen einer furchtbaren Sekte, der „Muell Kommune“, welche in Wien angesiedelt ist, befindet.

Der in Berlin geborene und in Kärnten aufgewachsene Autor Constantin Schwab erlangte für seine Kurzprosa bereits mehrere Auszeichnungen. Und auch dieser Roman ist ausgesprochen packend und fesselnd erzählt und überrascht mit immer wieder neuen Wendungen. Die schnörkellosen Sätze untermauern die nüchterne Ermittlungsarbeit, welche anders als bei der höchst sorgenvollen Mutter, von keinerlei privaten Emotionen belastet ist. Charmant ist zudem, dass die Erzählung in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu größten Teilen in Wien stattfindet und dass anstelle von WhatsApp-Nachrichten und E-Mails sogar noch Telegramme eine Rolle bei der Informationsvermittlung von Österreich nach Belgien spielen.

Der Roman vermag es einen an einigen Stellen zum Schmunzeln zu bringen, an anderen zum Erschaudern. Insgesamt versetzt man sich auf alle Fälle unverzüglich in die beschriebenen Persönlichkeiten. Interessant ist übrigens auch, dass die Wiener Kommune auch in der Realität existiert hat und in den frühen Achtzigern bis zu 600 Menschen in dieser in Wien lebten. Zudem scheint der Kurzaufenthalt des Autors im Wellnesshotel „die Wasnerin“, das ich ausgesprochen gerne auch mal austesten würde, amüsanterweise zu entscheidenden Wendungen in diesem Werk geführt zu haben. So wäre es doch vielleicht ideal, mit diesem so vielschichtigen Roman von Constantin Schwab ebenfalls einige Tage im Hotel „Die Wasnerin“ zu verbringen, physisch zu entspannen und auf geistige Höhenflüge zu hoffen…




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