
Liest man doch immer wieder kopfschüttelnd von eingefleischten Städtern, die plötzlich aus den unterschiedlichsten Gründen, den Wunsch verspüren, aufs Land zu ziehen und sich dort dann als erstes wahlweise über ein in regelmäßigen Abständen penetrant lautes Kirchturmuhrläuten, Hahnengekräh zur frühen Stunde oder auch einen über der Luft wabernden Güllegestank beschweren, gibt es in dem ganz aktuell im Gmeiner-Verlag erschienenen Krimi „Ein Dorf stinkt zum Himmel“ von Bernhard Lingg noch ein viel größeres, deutlich schwerwiegenderes Problem. So einzigartig wie der Handlungsort, der reizvolle Ort Oberstaufen im Allgäu ist, stellt sich auch dieses Buch dar, das einen an vielen Stellen immer wieder herzhaft auflachen, leise schmunzeln oder auch wegen überraschender Wendungen staunen lässt.

Der in Oberstaufen geboren Autor wuchs ebendort im elterlichen Hotel auf, so dass er alle Sonnen- und Schattenseiten des Tourismus von klein auf kennengelernt hat. Dieses Werk ist sein Debütroman im Gmeiner-Verlag. Sein großes Unterhaltungstalent hat er allerdings schon seit vielen Jahren unter anderem auch als Stadionsprecher bei der Vierschanzentournee in Innsbruck und Bischofshofen oder aber auch mit seiner Band „HinderVier“ auf der Bühne unter Beweis gestellt. In diesem Krimi ist weit mehr als in einigen anderen klassischen Regionalkrimis enthalten, gestaltet sich doch nicht nur der Plot, der in der Mitte der 1980-er Jahre angesiedelt ist, sehr vielschichtig, sondern greift der Autor auch zentrale Themen wie das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessenlagen, Vorverurteilungen und verletzten Stolz auf und entwickelt daraus in seinem ganz eigenen Sprachduktus eine ausgesprochen lesenswerte Geschichte.

Diese brilliert durchgängig mit viel Sprachwitz, Pointen und einer gewissen Bissigkeit. In dem Krimi findet sich in den Dialogen auch immer wieder der sympathische Allgäuer Dialekt wieder und man muss nicht auf den nächsten (Kur)Aufenthalt in Oberstaufen warten, um dieses sehr unterhaltsame Buch zu lesen. Aber ich werde allerdings, sobald ich es schaffe, just in das Hotel seiner Familie, das schon seit einigen Jahren auf meiner Bucketliste der Wellnesshotels steht, zu kommen, natürlich ganz besonders an seinen höchst lesenswerten Krimi denken, dem vielleicht bis dahin schon ein zweiter gefolgt sein wird…




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