Leben und Sterben in Verona von Claudia Bardelang aus dem Gmeiner-Verlag

Dank des lebendigen und sehr lebensnahen Einstiegs befindet man sich sofort inmitten des Geschehens und bekommt unvermeidlich Mitleid, wenn man liest, dass commissario Matteo Forlani nicht nur im privaten Umfeld mit einem ausdauernd brüllenden Säugling und einer überforderten und an postpartalen Depressionen leidenden Ehefrau wenig zu lachen hat, sondern auch im beruflichen Bereich nicht die heitere Abwechslung findet, wie er sich diese so dringend als Ausgleich zum fordernden und auslaugenden Familienleben mit einem dreimonatigen Baby gewünscht hätte. Dagegen wird er sofort zu Beginn des ganz aktuell im Gmeiner-Verlag erschienenen Krimis „Leben und Sterben in Verona“ nicht nur gleich mit zwei Toten konfrontiert, sondern muss zusätzlich darunter leiden, dass er beide Opfer persönlich kannte. Der Autorin Claudia Bardelang gelingt es nicht zuletzt durch das Einstreuen italienischer Sätze und Ausdrücke ein authentisches italienisches Flair zu schaffen. Zudem glückt es ihr spielend, die Leserschaft in ihren Bann mit der Entwicklung des Plots zu ziehen. Dass die gelernte Lithografin und Malerin, welche heute nach einem späten Studium als Lehrerin arbeitet, sehr italophil ist, lässt sich an vielen Kleinigkeiten in der verfassten Krimihandlung spüren. Ein guter Einfall ist außerdem, dass der Name von „Giulietta Capulet“ in der Krimihandlung nicht nur als die Bezeichnung für den weiblichen Part des berühmtesten Liebespaares der Welt eine Rolle spielt.

Das Krimigeschehen ist kunstvoll konzipiert und wird immer wieder durch kurze Einschübe mit einem faszinierenden Perspektivenwechsel, von dem die Leserschaft annehmen kann, dass in diesen Passagen aus der Sicht des Doppelmörders erzählt wird, verwoben. Dies verleiht der Erzählung eine sehr reizvolle zweite Ebene und regt ebenfalls immer wieder zu einem Wechsel des Blickwinkels an. Dieser Krimi bietet durchgehend ein großes Lesevergnügen, da man durch geschickt eingestreute Informationen im Laufe des Werkes immer auch selbst in verschiedenste Richtungen ermitteln kann. Zudem taucht man an vielen Stellen in die Besonderheiten der so vielseitigen norditalienischen Stadt ein und lernt z:B. gleichermaßen neue Seiten an der Arena von Verona und deren Opernaufführungen wie auch einige andere kulturelle, historische sowie architektonische Highlights kennen. Wurde die Autorin doch nachhaltig durch einen längeren Palermoaufenthalt vor 25 Jahren geprägt, dürfen wir gespannt sein, ob sie im nächsten Krimi vielleicht einen commissario auf Sizilien ermitteln lässt. Mit Sicherheit wird auch ein neues Buch von ihr wieder durch immer stets neue überraschende Wendungen glänzen.

Beitrag veröffentlicht

von

Schlagwörter:

Weitere Beiträge

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert