
Vielen von uns, gerade alle, die im süddeutschen oder österreichischen Raum ihre Kindheit verbracht haben, werden wohl einen oder viele ihrer Sommerurlaube mit der Familie am Strand in Italien verbracht haben. Und so verschafft bereits der erste Blick auf das Cover des ganz aktuell im Kremayr-Scheriau-Verlag erschienenen Romans ein wohliges Zurückversetztsein in die Kindheit mit endlosen Sommern, heißem Sand unter den Füßen und bereits Unmengen Eis zum Frühstück. Dieses Urlaubsglück war jedoch auch in den 1970-er Jahren bei weitem nicht allen aus den unterschiedlichsten Gründen vergönnt und so begibt man sich während der Lektüre in die Kindheit eines Fünfjährigen, der selbst im Allerbanalsten noch ein Faszinosum entdeckt, als größte Sehnsucht jedoch den Wunsch in sich trägt, der ländlichen Kleinstadtidylle zu entfliehen und das sagenumwobene Italien mit all seiner faszinierenden Musik, dem leckeren Eis und den schmucken Gondeln hautnah mit allen Sinnen zu erleben.

Bereits zu Beginn des ersten Kapitels, das mit „Italia, Italia“ überschrieben ist, schlägt das Herz aller Italophilen deutlich höher, wenn man sofort italienische Zeilen in Form von einem Liedausschnitt des Sängers Eros Ramazzotti zu Gesicht bekommt. Und diese Art der Kapiteleinleitung zieht sich erfreulicherweise durch das gesamte Werk, so dass man zu Beginn eines jeden der 38 Kapitel italienische Worte als Einstimmung erhält, die allesamt Zitate aus mehr oder weniger bekannten italienischen Liedtexten sind. Und für alle, die des Italienischen nicht mächtig sind, findet man gleich darunter die jeweilige Übersetzung dieser reizvollen italienischen Zeilen. Wenn man in die Kindheitserzählungen eintaucht, werden wohl viele sofort an den Michel von Lönneberga denken, der ebenso sehr pfiffig war, aber auch ungeheuer viel Unfug tagtäglich betrieben hat.

Für alle, welche deutlich jünger als der frühere Berufssoldat und Autor sind, und sich unter einigen Spezifika aus dessen Kindheit nichts vorstellen können, findet man stets hilfreiche Anmerkungen wie z.B. die Erklärung für eine Rolleicord oder auch den Hinweis, dass mit der „Popcorn“ nicht etwas zum Essen gemeint ist. Während der Lektüre muss man immer wieder schmunzeln oder auch herzhaft lachen Dieser Roman ist gleichermaßen eine Liebeserklärung an die Familie im Allgemeinen und im Besonderen an die Großmütter, und ein Abtauchen in längst vergangene Zeiten als auch eine Hommage an das Land, welches das Erzähler-Ich zwar erst ganz am Ende des Romans persönlich erreicht, das jedoch sehr kunstvoll als Wort ausnahmslos jedes einzelne der vielen Kapitel beendet. Und so freut man sich dabei stets zu erfahren, in welchem Kontext der Autor das unangefochtene Sehnsuchtsland jeweils gesetzt hat.




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