
„Stillen, das kann doch jede. Das ist das Natürlichste der Welt.“, diese Gedanken beherrschten mich, als ich mit unserem ersten Kind vor 23 Jahren schwanger war und im Traum nicht daran dachte, dass mir etwa das Stillen nicht gelingen sollte. Die Realität sah dann deutlich anders aus. In dem Wissen., dass das Stillen unwahrscheinlich viele Vorteile für das Kind, aber auch für die Mutter mit sich bringt, quälte ich mich wochenlang mit Stillhütchen, allen Empfehlungen der Hebamme und diversen Büchern (Selbstverständlich auch mit dem bekannten Stillbuch, das von der Autorin im Prolog erwähnt wird) höchst beflissen herum und vergoss viele bittere Tränen, wann immer es mal wieder nicht funktionierte.

Erst der fünftägige Aufenthalt bei einer lieben befreundeten Familie meiner Eltern sorgte für den nötigen Durchbruch, erklärte mir doch die dortige Mutter des Hauses ausgesprochen geduldig und praxisnah, wie ein ungezwungenes Anlegen des Babys zur Zufriedenheit aller am besten gelingt. Ich bin ihr noch heute dafür ausgesprochen dankbar und habe das erworbene Wissen und die erlernte Technik noch jahrelang für unsere Zweitgeborene sowie unsere mittlerweile elfjährigen Zwillingssöhne nutzen können.

Nun ist ganz aktuell im Aufbau-Verlag von der studierten Sozialwissenschaftlerin, Journalistin und zweifachen Mutter Lisa Kreuzmann dieses Buch erschienen, das ganz deutlich kein Pro- oder Kontra-Buch bezüglich des Stillens darstellt, sondern aufzeigt, welche erschreckenden Machtverhältnisse sich hinter dem Stillkonstrukt verbergen. Auf über 300 Seiten liest man in fünf großen Überkapiteln alles rund um die verschiedensten Aspekte des Stillens, von relativen Allgemeinplätzen wie z.B., dass viele moderne Mütter das Stillen verlernt haben über Definitionen einer Mutter und Ansichten einer Feministin bis hin zu Betrachtungsweisen und Erörterungen mit der Fragestellung, ob Stillen als wirklich Arbeit gerechnet werden kann. Das Buch mündet in einer radikalen Neubetrachtung. Insgesamt ist dieses Buch sehr flüssig und leicht verständlich geschrieben, bietet jedoch zugleich im Anhang zu jedem einzelnen Kapitel ein ausführliches Literaturverzeichnis an.




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