
Zürich zählt nicht nur zu den teuersten Städten der Welt, sondern hat zudem eine große Lebensqualität und eine reiche Stadtgeschichte zu bieten. Nun ist von Erika Weigele ganz aktuell im Gmeiner-Verlag der historische Roman „Die Töchter von Zürich“ erschienen, welcher die Leserschaft in das Zürich vom Ende des 13. Jahrhunderts, die Anfangszeit der schweizerischen Eidgenossenschaft, versetzt. Der Autorin gelingt es mit diesem Roman hervorragend, alle Lesenden in völlig unbekannte Welten zu entführen, werden sich doch wohl bis jetzt die wenigsten von uns weder mit dem Berufsfeld der Buchmaler und Seidenhändler beschäftigt noch gewusst haben, in welch starkem Maße sich das hochmittelalterliche Zürich zwischen kultureller Blüte und politischer Zerrissenheit befand. An diesem Werk ist zudem sehr reizvoll, dass man gleichermaßen in eine fiktionale Geschichte eintaucht als auch viele historische Fakten über die damalige Zeit en passant bzw. en lisant erfährt.

Dabei ist die studierte Germanistin und Kunstgeschichteexpertin auch eine absolute Fachfrau für das gesamte Buchmalwesen und vermittelt dies ausgesprochen faszinierend ebenfalls in ihrem neuesten Werk. Nach einem lateinischen Zitat von Plinius (besser kann man wohl gar nicht beginnen) taucht man direkt in das Lebensumfeld des Buchmalers Bertram mit seiner Frau Fides und den drei Töchtern ein. Die Autorin verfügt über einen sehr flüssigen und gefälligen Schreibstil und schafft es durch die Herstellung authentischer Dialoge und vielen ausführlichen Situationsbeschreibungen bestens, dass man als Leser der Neuzeit überhaupt keine unangenehme Distanz mehr zu dem doch so weit entfernten Mittelalter empfindet.

Sehr passend wird jedes einzelne Kapitel auch nicht nur mit einer Orts- und Datumsangabe versehen, sondern stets auch mit der Angabe des jeweiligen Namenstags wie z.B. „Gedenktag Philippus und Jakobus“ oder auch „drei Tage vor Katharina“. Nach der beendeten Lektüre wird man wohl nicht nur eine spannend geschriebene fiktive Geschichte genossen, sondern auch viel über Zürich und die damalige prekäre Situation gelernt haben, welche nach dem Tod König Rudolfs von Habsburg entstanden war.




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