Gern gesehene Gäste von Thommie Bayer aus dem Piper-Verlag

Erlebt man es ja oft, dass sich Freundschaften aus der Schule, der Ausbildung oder auch dem Berufsumfeld heraus entwickeln, so dass häufig derselbe „Klüngel“ miteinander verbandelt ist und man sich z.B. in einer reinen Juristen-, Ärzte oder auch Konditoren- oder Fliesenlegerblase befindet, liest man in dem ganz aktuell im Piper-Verlag erschienenen Roman „Gern gesehene Gäste“ von der Freundschaft zwischen dem 25-jährigen Zimmermann Matteo, der bereits als Kind mit seiner überdurchschnittlichen Intelligenz auffiel und dem schillernden Schriftstellerehepaar Eric und Keira. Während Freundschaften erwiesenermaßen sehr wichtig auch für die psychische und physische Gesundheit sind, bemerkt der Zimmermann im Laufe seiner Chauffeurdienste und der Begleitung der Lesereise von dem 63-jährigen Eric, dass das Verhältnis zwischen den seit 40 Jahren verheirateten Schriftstellern alles andere als uneingeschränkt freundschaftlich oder ehepartnerschaftlich erscheint. Im Verlauf des Romans werden immer mehr Andeutungen gemacht, welche einen eine dysfunktionale Beziehung wischen den angeblich immer noch verliebten Ehepartnern vermuten lassen und dabei auf alle Fälle der Leserschaft viel Spielraum für eigene Gedankenspiele geben. Und man erlebt immer wieder im Verlauf der Erzählung überraschende Wendungen.

Dem renommierten Autor, welcher bereits zahlreiche Bestseller verfasst hat, gelingt es, sehr mitreißend und anschaulich zu erzählen. Der Plot regt zudem an vielen Stellen zum Nachdenken an. Außerdem ist es sehr reizvoll, dass in dem Buch quasi ein Buch selbst in Form von Erics Bestsellerroman eine entscheidende Rolle spielt. Das Werk ist so fesselnd geschrieben, dass man am liebsten in einem Schwung die über 200 Seiten beim Lesen verschlingen würde. Thommie Bayer lässt einen sofort mitten in das Geschehen eintauchen und dank der so detailgetreuen und feinsinnigen Beschreibungen der Personen, Gefühle, aber auch von gewissen Grundstimmungen und der Landschaft entstehen bei der Leserschaft vor deren geistigem Auge lebhafte filmische Szenen. Auch bei der Beschreibung von alltäglichen Situationen entsteht durch das Kreieren der Verknüpfung von einem spannenden Handlungsverlauf mit lebensnahen Dialogen eine ganz spezielle Atmosphäre. Gerade auch, wenn der Autor nur Andeutungen über gewisse Geschehnisse und Situationen macht, wird man die Szene mit großer Freude noch selbst weiter ausschmücken.

Außerdem zeichnet den Roman die Tatsache aus, dass er auf der einen Seite völlig zeitlos geschrieben ist, so dass man ihn mit Sicherheit noch in vielen Jahrzehnten mit großem Vergnügen lesen wird, andererseits enthält er auch ganz aktuelle, zeitgenössische Entwicklungen. Genauso wie Matteo den Bestsellerautor an immer wieder andere Orte während der Lesereise chauffiert, ist auch die gesamte Handlung höchst kurzweilig, abwechslungsreich und mitreißend konzipiert. Und man begleitet das Duo bei weitem nicht nur bei der physischen Fahrt, sondern reist zugleich tief in psychologische kleinere und größere Abgründe und vielschichtige Beziehungskonstellationen. Zugleich liefert der Roman eine hervorragende Reflexion über die Lesekultur im heutigen digitalen Zeitalter und bietet gleichzeitig eine wieder sehr poetische und bildhafte Sprache. So stellen sich auch die Beschreibungen z.B. von Sehenswürdigkeiten während der Lesereise wie z.B. die der Kathedrale von Reims dar. Und genauso wie die Mutter auf der Seite 89 feststellt: „ …die Wirklichkeit ist mehr als der bloße Anblick.“ ist es höchst empfehlenswert, diesen Roman mit allen Sinnen selbst Satz für Satz zu lesen und in der Handlung sowie allen tiefgründigen Zwischenebenen im Flow zu versinken.

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