Pestzug von Rein Raud aus dem Mediathoughts-Verlag

Das Baltikum erfreut sich als Reiseziel seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit. Auch wir waren von einer Stippvisite in Estlands und Lettlands Hauptstädten mit Tallinn und Riga höchst angetan. Dass das Leben vor einigen Jahrzehnten in allen Baltikumsstaaten noch komplett anders aussah, wissen die meisten ausschließlich aus den jüngsten Geschichtserzählungen. Ein Mensch dagegen, welcher den Zeitenumbruch sowie bedrückende und beängstigende, aber auch zahlreiche hoffnungsfrohe Situationen in Estland durchlebt hat, ist der estnische Autor Rein Raud. Dem Kulturwissenschaftler, ehemaligen Rektor der Universität in Tallinn sowie Professor für Japanologie an der Uni von Helsinki ist auch mit diesem Roman ein atmosphärisch dichter Roman gelungen der sich auf vielen verschiedenen Ebenen solch universalen Themen wie unausgesprochener Schuld, alten Loyalitäten sowie dem kritischen – und schmerzreichen – Hinterfragen der einstigen Jugendideale widmet und dabei auch die Kraft der heilenden und zugleich auch zerstörerischen Liebe in die Handlung mit einbezieht..

Dabei ist ebenso die Übersetzungsleistung des renommierten Finnougristen Cornelius Hasselblatt hervorzuheben, der als einer der wichtigsten Übersetzer estnischer Literatur ins Deutsche gilt. Der Inhalt dieses Werkes ist zunächst im Jahr 1911 angesetzt, in dem fünf junge Sanitätsoffiziere, unter denen sich auch Jakob aus Estland befindet, an der russisch-chinesischen Grenze das Grauen der Pestepidemie minimieren sollen. 22 Jahre später begegnen sich zwei von ihnen in völlig entgegengesetzten Positionen wieder und lassen einen eine packende Geschichte erleben, welche auch durch die Darstellung faszinierender psychologischer Konstellationen brilliert.

Wie schön, dass man sich bereits jetzt im Rahmen der so besonderen „Literatura Baltica“-Romanreihe auf ein weiteres Werk freuen kann, das einen für die Allermeisten von uns erneut in eine völlig unbekannte Welt entführt. So wird im Herbst mit dem Roman „Chroniken der Kolchose“ ein mit schwarzem Humor erzähltes Werk aus Litauen diese so reizvolle Reihe erweitern.

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