
Bereits der Titel weckt die Neugier, kann man sich doch zunächst herzlich wenig unter einem „Lebenszyklus des gemeinen Oktopus“ vorstellen. Darauf, dass es wohl kaum eine zoologische Abhandlung betreffen wird, weist schon die mit zarten Pinselstrichen gezeichnete junge Frau auf dem Cover hin. Und nach der Lektüre der ersten Seiten dieses ganz aktuell im Blumenbar-Verlag erschienenen Romans wird ersichtlich, dass der Oktopus hier metaphorisch für eine Vielzahl von Ereignissen und Lebensabschnitten herangezogen wird, vom Kuscheloktopus für das eigene Baby bis hin zu dem tintenschwarzen Abgrund, den wohl ein/e jede/r in ihrer/seiner Seele trägt. Der kanadischen Autorin Emma Knight ist gleich mit ihrem Debütroman ein ergreifendes Werk gelungen. Man lernt die beiden Protagonistinnen Pen (abgeleitet vom wunderschönen Namen der Penelope) und Alice kennen, welche, als sie zum Studium von Kanada nach Edinburgh kommen, bereits seit über zehn Jahren eine feste Freundschaft verbindet.

Schon bald, nachdem die jungen Frauen ihr Studium in Schottland aufgenommen haben, begibt sich Pen auf de Suche nach einem früheren sehr guten Freund ihres Vaters, von dessen Geschichte und der Beziehung zu Pens Familie man im Laufe des weiteren Buches sogartig angezogen und erschüttert ist, welcher Einfluss und welche schicksalhaften Begegnungen sich zwischen Lord Lennox und ihrer eigenen Familie begeben hatten. Die Autorin beschreibt die einzelnen Szenerien so detailgetreu und bildhaft, dass bei der Leserschaft unverzüglich ein kleiner Film vor dem geistigen Auge abläuft.

Im Laufe der Romanhandlung lernt man durch die geschickte Kombination der vorantreibenden Handlung in der Gegenwart mit den Rückblicken z.B. auf Schlüsselmomente in Pens Kindheit die Protagonistin von immer mehr neuen, ganz unterschiedlichen Seiten kennen. Zudem werden die so unterschiedlichen Charakterzüge der beiden engeren und vertrauten Freundinnen Alice und Pen beeindruckend detailliert herausgearbeitet. Das Werk liest sich flüssig und bietet neben dem klassischen Erzählstil auch immer wieder Passagen, welche kürzere oder auch längere Chatverläufe wie bei einem Ping-Pong-Spiel abbilden.



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