The journey – Die Reise meines Lebens von Carina Amara Kruse aus dem DuMont-Verlag

Unabhängig davon, wie weit man verreist, nimmt man all seine Sorgen, Probleme und Krisen ebenso mit wie ich ständig mit unseren Zwillingssöhne zwangsläufig das Diabetesmanagement im Doppelpack im Gepäck habe. Im Bestfall werden jedoch mit größerem Abstand von der Heimat viele Kümmernisse kleiner oder relativieren sich. Ganz besonders intensive Erfahrungen machte die Autorin Carina Amara Kruse mit 28 Jahren. Als sie in Berlin innerhalb weniger Wochen sowohl ihre langjährige Beziehung als auch ihren Job als engagierte Reiseführerautorin verlor, begab sie sich tief verstört und verunsichert auf die Reise ihres Lebens, wo sie nicht nur so ferne Länder wie Indonesien, Indien und Neuseeland erkundete, sondern auch durch viele zwischenmenschliche Begegnungen zutiefst berührt wurde. In dem ganz aktuell im DuMont-Verlag erschienenen Reisememoir erzählt die junge Frau eindrücklich sowohl von höchst interessanten landeskundlichen Entdeckungen als auch von der bewegenden Reise in ihr eigenes Seelenleben, bei der sie schlussendlich ganz am anderen Ende der Welt endlich wieder bei sich selbst angekommen ist und das Vertrauen in das Leben und auch die Liebe wieder gefunden hat.

Auf über 350 Seiten nimmt die Weltenbummlerin, welche mittlerweile auch unter dem schönen Begriff eines Transformationscoach arbeitet, die Leserschaft auf ein packendes Abenteuer mit. Dabei ist es ihr gelungen, alle hautnah jeden Moment miterleben zu lassen, die sie während ihrer 13-monatigen Auszeit alle als wichtige Puzzleteile zu ihrer Selbstfindung erlebt hat. Das Buch ist in viele einzelne Kapitel von einer sehr angenehmen Länge unterteil. Zudem bietet es ausgesprochen praxisorientierte Lebenshilfe, gerade auch für alle Verzweifelten, die einen Verlust privater oder auch beruflicher Natur zu beklagen haben. Manchmal findet man außerdem einen inspirierenden und (be)merkenswerten Sinnspruch, der am Ende eines Kapitels farblich und schrifttypenmäßig etwas abgesetzt gedruckt ist. Dort kann man sich dann an motivierenden, ermutigenden Sprüchen freuen, wie es z.B. auf der Seite 32 der Fall ist, wenn man liest: „Was immer in der Zukunft liegt, ist viel größer, als dein kleines Herz sich vorstellen kann.“

Inmitten des Reiseberichtes werden immer wieder raffiniert miteinander verquickte Retroperspektiven aus der Sicht ihres kindlichen Ichs mit den aktuellen Erzählungen der Auslandserlebnisse der knapp 30-Jährigen eingearbeitet, so dass man im Laufe des Romans die Autorin in all ihren Facetten und auf ihrem gesamten bisherigen Lebensweg hervorragend kennenlernt und sie quasi bei jedem neuen Erfahrungsschatz begleiten kann.

Amouröse Geschichten inklusive mutiger, wenn auch zunächst trauriger, Entscheidungen, dürfen selbstverständlich ebenso wenig fehlen wie das Erzählen von dem Entstehen tiefer Freundschaften. En passant bekommt man immer wieder wertvolle philosophische sowie psychologische Gedanken auch aus ganz anderen Kulturkreisen vermittelt. So lernt man z.B., was man unter der Bezeichnung von Vipassana genau versteht. Insgesamt ist der Bericht sehr mitreißend, lebensnah und höchst abwechslungsreich gestaltet. Das Memoir zeigt eindrucksvoll, dass gerade Schicksalsschläge und niederschmetternde Ereignisse im eigenen Leben den Startschuss bilden können für etwas ganz Neues, das auf lange Sicht sogar wesentlich erfüllender für einen ist als das bisher liebgewonnene Leben davor. Auf alle Fälle stellt diese Neuerscheinung ein eindrucksvolles und inspirierendes Buch mit psychologischem Tiefgang dar.

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