Die Spaghetti-Vongole-Tagebücher von Stefan Maiwald aus dem Piper-Verlag

Würde ich freiwillig nie im Leben Spaghetti Vongole bestellen, finde ich doch alle Arten von Muscheln ziemlich ungenießbar, lese ich umso lieber jedes einzelne Werk von Stefan Maiwald, der sich bereits in mehreren Büchern mit den verschiedensten Italienaspekten und -anekdoten beschäftigt hat. Und so freue ich mich ausgesprochen, dass nun ganz aktuell im Piper-Verlag dieses wunderbare Taschenbuch des ausgesprochen italophilen Autors erschienen ist. Bereits nach wenigen Seiten der Lektüre dieses knapp 200 Seiten umfassenden Buches fühlt man sich nach Italien, bevorzugt auch ans Meer, hingebeamt. Schon das Titelbild versprüht eine große Heiter- und Leichtigkeit und bei der Titelunterschrift „Wie ich mit drei Kilo Pasta, zwei Kisten Prosecco und einem toten Fisch von Venedig nach Triest fuhr, um meine Schwiegereltern zu beeindrucken“, muss ich unweigerlich an eine unserer eigenen Urlaubsreisen vor einigen Jahren nach Grado denken, welche mit vier Kindern, davon zwei einjährigen Zwillingssöhnen, dermaßen anstrengend und kräftezehrend war, dass wir zwar unser Tradition auch in diesem Urlaub treu geblieben sind und in einem großen italienischen Supermarkt Unmengen an Nudeln, Risottoreis und Tomatensauce- sowie Pestogläsern erstanden, gerade aber die Nudeln in unserem uralten VW-Bus anschließend so gut versteckt haben, dass wir erst ein gutes halbes Jahr später zahlreiche Packungen an feinsten italienischen Nudeln hinter der Ersatzradvertiefung gefunden haben.

Nudeln halten sich bekanntlich glücklicherweise auch bei hohen Temperaturen sehr lange im Auto frisch, was man von jeglichen Fischen definitiv nicht behaupten kann, und so bewegt einen bereits die Titelunterschrift zum sofortigen Lektürebeginn, bei dem man auf keiner Seite enttäuscht wird. Stefan Maiwald hat das große Glück – was ich mir tatsächlich auch immer gewünscht habe -in eine italienische Familie eingeheiratet zu haben, die er ihrer würdig bekochen möchte. Dabei muss man wissen, dass gerade sein Schwiegervater ein ausgesprochenener Feinschmecker ist, so dass sich der in Grado lebende und für diverse deutsche und österreichische Zeitschriften schreibende Autor engagiert zwischen Vendig und Triest durchgefragt und dabei die beste Unterstützung unter anderem vom smartesten Barkeeper der Welte, vom Padrone der Pasta oder auch der Königin der Wasserreben erhalten hat. Ob sich wohl dieser immense Aufwand ausgezahlt hat, wenn am Schluss an der oberen Adria diverse Köstlichkeiten aufgetischt werden?

Stefan Maiwald verfügt über einen herrlich-leichten und stets höchst unterhaltsamen Schreibstil. Das Buch ist in drei große Oberkapitel unterteilt: Die Vorbereitungen, Das Fest naht und das Fest. Im Anhang finden sich sowohl noch faszinierende Fakten – wusstet ihr z.B., dass all zu dürre Kellner geradezu geschäftsschädigend sind? – . als auch ein Literaturverzeichnis mit einer großen Bandbreite an weiterführender Italienliteratur (worunter sogar zu meinem großen Erstaunen ein Werk von Michel de Montaigne, der im 16. Jahrhundert gelebt hat, präsentiert wird) und man kann sogar allen in dem Buch vorgestellten Protagonisten, welche man besonders sympathisch findet, dank der angegebenen Instagramadressen oder auch auf Facebook folgen. Das Buch stellt auf jeder einzelnen Seite ein ungeheuer großes Lesevergnügen dar, dessen einziger Nachteil darin besteht, dass man bei all den vorgestellten italienischen Köstlichkeiten unverzüglich einen fast unstillbaren Hunger auf diese selbst bekommt…Das Buch ist höchst brillant geschrieben und punktet zudem auch durch die Tatsache, dass man sich bei den einzelnen vorgestellten italienischen Städten wie z.B. Venedig, Lignano oder auch Aquileia (das für jede/n Liebhaber/Liebhaberin der Antike als eine strategisch und wirtschaftlich bedeutende Stadt des römischen Reichs ein absolutes Muss ist) geradezu von dem sehr sympathischen und liebenswerten Autor an die Hand genommen fühlt.

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