
Bedeutet ein Seetag für die meisten pure Entspannung, war mir dies bis jetzt noch während keiner Reise so wirklich vergönnt. Erholung in der Nacht“ruhe“ fand für mich nur in den letzten Morgenstunden statt, wirkten sich doch leider die sportlichen Aktivitäten und Ambitionen der Zwillinge zur spätabendlichen Stunde dank des Muskelauffülleffekts Stunden später, mitten in der Nacht, in Form von ständig zu behebenden Unterzuckern durch Traubenzucker aus. Zudem galt es, als es mir endlich gelungen war, die Blutzuckerverläufe zu stabilisieren, frühzeitig aufzustehen, um noch vor dem bereits um 9.00 Uhr angesetzten Allergikertreff, der traditionsgemäß, immer am ersten Seetag stattfindet, frühstücken zu können.

Allein, bis wir dorthin aufbrechen konnten, verging zu meinem großen Ärger wertvolle Zeit, war doch die Bordkarte des Älteren spurlos verschwunden. Organsiert genug, sich noch um 22.00 Uhr einen alkoholfreien, aber extrem blutzuckererhöhenden Ocean Sprizz zu genehmigen, reichten die logistischen Fähigkeiten offenbar nicht mehr zum ordnungsgemäßen Ablegen der Bordkarte vor dem Schlafengehen…Gerade noch bei dem Allergikertreffen pünktlich eingetroffen, stieß unser Zölisohn bei der Fragezeit zur Erheiterung aller anderen Anwesenden seufzend aus: „Die Mama isst immer so viel Salat. Kann ich in dem „Ganz schön gesund-Bistrot“ auch etwas anderes bestellen?

Die glutenfreie Essensbestellung gestaltet sich bei den Schiffen der TUI-Flotte leider etwas komplizierter als bei AIDA und so vernahm unser Jüngster erst einmal enttäuscht, dass man nicht ein beliebiges glutenfreies Gericht in ein beliebiges Restaurant bestellen kann, sondern jeweils nur die auf der dortigen Speisekarte vorhandenen Gerichte in eine glutenfreie Alternative abgewandelt werden können. „Aber dann nimm doch einfach die Spaghetti mit Walnusspesto“, schlug ich ihm ermunternd in der Hoffnung vor, dass wir alle auch einmal in diesem Restaurant gemeinsam essen könnten. „Nein, das nehme ich auf gar keinen Fall!“, entgegnete er entrüstet. „Aber warum denn nicht?“ startete ich etwas irritiert einen zweiten Anlauf. „in normalem Pesto sind ja auch Nüsse, meistens Cashewnüsse oder Pinienkerne enthalten.“

Nun war er es, der mich mit einer Mischung aus Verwunderung und Irritation anblickte. „Ja, Mama, aber ich esse doch definitiv kein Walpesto. Das ist ja dann wie Tintenfisch oder so…“ Da hatte wohl die leider noch heutzutage bestehende Fischfangtradition unseres Reiseziels in Form von Island ihn eine von mir ausgesprochene Silbe nicht hören lassen. Nachdem ich die von ihm bis dahin verschmähte Silbe „..nuss“ betont hatte, war er doch tatsächlich recht zufrieden mit der glutenfreien Variante der Walnusspestospaghetti. Dagegen änderte auch das Leben an Bord nichts an der Einstellung unseres Älteren bezüglich des Essens, der dieses zu meiner Enttäuschung mitnichten als Gelegenheit für bereichernde Gespräche erachtet, sondern einzig für eine wohlschmeckende Energieaufnahme für notwendig erachtet. Und da er diese nur kurz davor bereits in übermäßiger Weise in Form von Cocktails und einem Döner gedeckt hatte, reizte ihn rein gar nicht an der gemeinsamen mittäglichen Essensrunde.

Dafür war er von allen Spielangeboten hellauf begeistert. Und so brachten wir auf den Wunsch einer sehr lieben niederbayerischen Familie allen drei Familienmitgliedern die Kunst des Schafkopfspielens bei. Außerdem liebten es die Söhne an Seetagen, sich auf das Deck 5 zum Shuffleboardspielen zu begeben und störten sich in keiner Weise daran, dass sie dabei in ihrer jeweiligen Gruppe mit Milena zusammen die einzigen Kinder/Jugendlichen waren. Ein Rentnerehepaar war sogleich so begeistert von den beiden, dass der Jüngere zum Schriftführer für das Shufflebordspielen auserkoren wurde.

Diese Kreuzfahrt erlebte ich leider aufgrund der großen Blutzuckertragödien und der damit verbundenen absoluten Dauerschlaflosigkeit und dem Sorgenkarussell noch weit vor meinem absoluten gesundheitlichen Super-GAU als keineswegs heiter und leicht, aber einige Begegnungen, Situationen und Gespräche sorgten dann doch für eine Serendipität. Allein dieses Wort zaubert einem doch schon ein Lächeln in das Gesicht. Und für alle, welche mit diesem Begriff noch relativ wenig anfangen können: Unter der Serendipität versteht man eine zufällige Entdeckung von etwas Wertvollem, nach dem man eigentlich gar nicht aktiv gesucht hatte.

Und treffender könnte man es nicht beschreiben. So war ich wie eingangs beschrieben nur mäßig begeistert von der Notwendigkeit gleich am ersten Seetag aufgrund der Zöliakie des Sohnes zur frühen Stunde zum Allergikertreff gehen zu müssen. Im Nachhinein war dies jedoch ein absolutes Geschenk des Himmels, wurde mir dort nicht nur gleich ganz lieb bezüglich der manuellen Zeitumstellung bei der Handyuhr geholfen (am ersten Seetag nach Schottland wurde die Uhr um eine Stunde nach hinten verstellt, am zweiten Seetag auf dem Weg nach Island „gewannen“ wir ebenfalls noch eine Stunde dazu), sondern lernten auch auf diese Weise eine sehr liebe Familie aus der Nähe von Aschaffenburg kennen.

Liebe Julia, lieber Christian, liebe Milena, wir sind ausgesprochen dankbar euch kennengelernt haben zu dürfen. Jedes Ratschen, sei es abends noch draußen an Deck, bei den Landausflügen oder wo auch immer, war uns eine große Freude, ebenso wie jedes Spielen. Ich verlasse ja normalerweise wirklich nie ein Gesellschaftsspiel vorzeitig, aber an meinem letzten Tag an Bord, wo wir noch nachmittags so schön Tabu gespielt haben, war ich dermaßen von Schmerzen zerrissen, dass ich mich mit einem schlechten Gewissen frühzeitig verabschieden musste und ja dann sofort ins Bordhospital eingeliefert wurde. Ich danke euch von Herzen, dass ihr euch so lieb nach meinem Hubschrauberabtransport um die Zwillinge gekümmert habt und freue mich schon jetzt, ob bei der nächsten Kreuzfahrt oder einem Treffen irgendwo auf dem Festland, mit euch ausgiebig zu ratschen, zu spielen und vieles mehr!




Schreibe einen Kommentar