
„Kurzen Prozess mit einer Sache machen“ ist eine gängige Redewendung, welche häufig beinhaltet, dass man etwas Ungeliebtem ein möglichst rasches Ende bereiten möchte. Nun ist ganz aktuell im Blumenbar-Verlag der Roman „Kurzer Prozess“ von Edith Löhle erschienen, welcher diesen Vorgang in ein ganz neues Licht setzt. So beleuchtet die Journalistin und Autorin auf knapp 300 Eiten die Kindheitshelden von früher aus einer sehr ungewohnten Perspektive. Wer würde z.B. in der Gestalt des so umtriebigen und frechen Kobolds mit dem roten Haar, dem Pumuckl, einen Pionier des Ghostings sehen oder auch Aladdin aus der Wunderlampe als „Love-Bomber“ bezeichnen?

Der Autorin gelingt es hervorragend, eine Satire zu schreiben, in der all unsere Kindheitsheldinnen und -helden vor einem internationalen Moralgerichtshof stehen und sich für ein Verhalten rechtfertigen müssen, an dessen Folgen wir bis heute zu knabbern haben. Denn wer könnte mehr Schuld an tiefen Minderwertigkeitskomplexen oder krankmachenden Schönheitsidealen tragen als ALF, Prinzessin Lillifee oder auch Karla Kolumna?

Insgesamt stellt dieses Werk eine ausgesprochen erfrischende Lektüre dar, bei der man immer wieder schmunzeln oder herzhaft auflachen muss und die sich sehr positiv von zahlreichen, „klassischen“ Werken abhebt. Ein großes Glück, dass sich der Sohn der Autorin mit der Geburt noch so viel Zeit gelassen hat, bis diese den Roman vollendet hatte. So wird er mit Sicherheit in einigen Jahren auch in diesen ganz besonderen Lesegenuss kommen.



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