Kurz bevor der Tag beginnt, ist die Nacht am dunkelsten von Wolf-Ingo Härtl aus dem Ultra Violett-Verlag

Bereits die Gestaltung des Buchcovers sowie der Titel mit „Kurz bevor der Tag beginnt, ist die Nacht am dunkelsten“ erregen die Aufmerksamkeit der Leserschaft. Und so wird man von der ersten Seite an in diesem Thriller von einer beachtlichen atmosphärischen Dichte hineingezogen. Die Charakterisierung von Maria Giddas lässt einen zuverlässig erschaudern, wenn man liest, dass die Auftragsmörderin beim Töten keinerlei Gewissensbisse oder Reue verspürt. Doch völlig unerwartet werden plötzlich die tiefen Mauern, durch welche Marie vollkommen all ihrer Emotionen beraubt war, eingerissen. Und das just von dem Menschen, welcher noch in derselben Nacht von ihr getötet werden sollte.

Dem Autor Wolf-Ingo Härtl ist es in dem schmalen Büchlein von knapp 160 Seiten frappierend gut gelungen, alle Leserinnen und Leser sogartig in die Geschichte zu ziehen. Und er zeichnet die Lebensgeschichte der Protagonistin, welche sie zu dem Menschen werden hat lassen, welcher seit sechs Jahren auf Bestellung tötet, auf eine so fein skizierte und psychologisch fundierte Weise nach, dass man beim Lesen an vielen Stellen von fast körperlichen Schmerzen getroffen werden kann. Dass die Geschichte unter anderem auch in Rothenfels in Bayern spielt, erfreut mich selbstverständlich als Münchnerin zusätzlich. Bereits die ersten Sätze des Thrillers vermögen es exzellent in einem Stakkatostil das Innerste von Marie widerzuspiegeln, wie wenn die Sätze und Erläuterungen aus einem geladenen Maschinengewehr herausgedonnert würden.

Einzelne Sätze und Reflexionen regen die Leserschaft auf verschiedenen Ebenen zum Nachdenken an. Zudem lassen zahlreiche Stellen extrem intensive und eindrückliche Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Liegt der Haupthandlungsort in Bayern, spielen auch Paris, Rio de Janeiro und der Kurilensee in den verschiedenen Retrospektiven eine entscheidende Rolle. Warum sich der Autor gerade für diese Orte entschieden hat, erläutert er im Nachwort, das mit „Über das Wahre in der Fiktion“ überschrieben ist. Die Geschichte, bei der die innere Handlung eine übergeordnete Rolle spielt, liest sich ausgesprochen packend. Dies ist tatsächlich ein ganz besonderes Buch mit einer intensiven Geschichte und einer beeindruckend tiefen und umfassenden, psychologischen Reise einer zutiefst verletzten Menschenseele, bei der sogenannte Glaubenssätze, wie sie wohl sehr viele Menschen bereits seit der Kindheit als Seelenballast mit sich rumschleppen, eine große Rolle spielen.  

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