
Ein Aufenthalt im Haubers Naturresort ist unbestritten alle andere als preiswert, aber es wird einem wirklich für jeden Geschmack – in ganz physischem wie auch im figurativen Sinn ausgesprochen viel geboten. Da ich ja alptraumhafterweise seit fast einem Jahr ausschließlich mit Krücken und dem Gehgipsersatzschuh unterwegs bin, konnte ich leider keine der zahlreichen der bei der Gästekarte inkludierten Angebote wahrnehmen wie das Benutzen der Bergbahnen, einen kostenlosen E-Bike-Verleih oder auch einen Besuch im Schwimmbad und vieles mehr. Was ich allerdings auch im gesunden, mobilen Zustand nie nutzen würde, weswegen sich jedoch alle Liebhaberinnen und Liebhaber des Golfsports in Oberstaufen im siebten Himmel befinden, ist die Tatsache, dass man direkt vom Hotel aus auf den imposanten 18-Loch-Golfplatz einsteigen kann.

Diesbezüglich werde ich nie vergessen, dass ich bereits einmal in meinem Leben in Oberstufen war und zwar kurz nach meinem Abitur. Lang, lang ist es her. Dennoch erinnere ich mich noch allzu gut daran, wie ich in einer kleinen Pension in Oberstaufen sehr diszipliniert als Allerjüngste von allen Kurgästen ein Buchinger Heilfasten-Programm durchgeführt habe, im Rahmen dessen auch ein Einführungskurs in das Golfen angeboten wurde. Und was soll ich sagen? Das einzig Positive an der ganzen Sache war, dass ich damit wenigstens meine knappe Studentenkasse nicht belasten musste, schlug mir doch der Golflehrer, nachdem er mich etwa eine Stunde lang vergeblich in die Kunst des Abschlages einzuweisen versucht hatte, in seiner Verzweiflung aufgrund meiner Talentlosigkeit das Angebot der Rückerstattung des gesamten, bereits gezahlten Golfkurses vor…

Dies war meine erste und letzte Begegnung mit dem Golfsport und auch des Marktes Oberstaufen. Zum erstgenannten werde ich wohl nie eine intensive Beziehung aufbauen, zum zweiten dafür umso mehr, und das natürlich am allerliebsten wieder im Haubers. Dieses besticht unter anderem durch seine einzigartige Lage im Ortsteil von Kalzhofen, der nur wenige Autominuten von dem Bahnhof in Oberstaufen entfernt ist. Vollkommen zu Recht trägt das Haubers den Beinamen des Naturresorts, sind doch die unterschiedlichsten Naturgeräusche das Dominanteste, das man zu Ohren bekommt. Verschwiegen werden soll an dieser Stelle allerdings auch nicht, dass sich kurzfristig noch ein etwas anderes „Hörerlebnis“ in Form von Baulärm dazugesellen kann, der leider auch am Samstag zur frühen Stunde zu vernehmen war. So eröffnete sich der Ausblick von dem Balkon nicht nur auf das herrliche Panorama der Allgäuer Bergwelt, sondern gleichermaßen auch auf zwei große, grüne Baukräne in unmittelbarer Nachbarschaft, deren Bauarbeiter ihrer Arbeit genauso engagiert und kraftvoll wie alle in dem Innercircle und auch dem äußeren Umkreis der Hauberianer nachkamen, was jedoch im Fall der Bauarbeiter bedeutete, dass bereits am frühen Morgen das Vogelgezwitscher von einem lauten Hämmern, Bohren, Sägen und Schleifen übertönt wurde.

Sehr zum Missfallen eines mittelalten Herrn, der extra aus der Nähe von Bremen in den so berühmten Kur- und Fastenort angereist war, um ein Basenfastenprogramm durchzuführen, aber auch um dem Stadtlärm zu entfliehen. So war er am Abend des Anreisetages doppelt missmutig, hatte er doch aufgrund des Baulärms weder im Heuruheraum zur Ruhe gefunden noch konnte er seinen kulinarischen Vorlieben aufgrund des zehntägigen Basenfastens frönen. Ich musste innerlich bei seinem Wehklagen ein wenig schmunzeln, da er sich ja ganz freiwillig für diese so heilsame Ernährungsform entschieden hatte, aber versuchte sehr ernsthaft und beflissen, seinen Blick auf die zahlreichen Vorzüge des Hotels zu lenken. Und mit Sicherheit wird in Zukunft das spektakuläre Architekturerlebnis für die aktuell ertragenen Lärmbelästigungen mehr als entschädigen…Entschädigt wurde ich auch trotz gleich zweier Zecken, die sich just mich als Wirtin ausgesucht haben müssen, nachdem ich gerade in den Wald eingetaucht war, durch herrliche Waldhängematten. Abends stellte ich fest, dass sich die beiden unliebsamen Tiere genüsslich oberhalb meines Bauches sowie in der linken Ellenbogenbeuge festgebissen hatten. Aber da meine Alliterationsüberschrift ja nicht mit B wie „Borreliose“ beginnt – die ich leider bereits zweimal im Leben durchlaufen musste – und mir die noch wesentlich gefürchtetere Hirnhautentzündung, auch wenn diese mit dem gewählten Überschriftsbuchstaben beginnt, erspart geblieben ist, kann ich mich ganzen Herzens mit reiner Freude an den Aufenthalt in den so entspannenden Hängematten erinnern.

Während der Körper in diesen ruhte – leider bin ich nach wie vor extrem schmerzgeplagt – trainierten eine sehr sympathische jüngere Berlinerin, der ich auf dem Weg begegnet bin, und ich zu unserer großen Erheiterung unseren Geist, indem wir Haubers 60 Hektar große Fläche in verschiedene andere Einheiten umrechneten und die Berlinerin dabei ganz erstaunt lernte, dass zwar 1000 Emter einem Kilometer entsprechen, die Umrechnungspotenz bei Flächen jedoch eine andere ist. Und so wurde auch das Herz der jungen Frau, welche kurzerhand die beiden Urlaubstage allein verbrachte, nach der überstürzten Abreise ihres Mitreisenden, welcher ihr zu ihrem großen Entsetzen plötzlich seine große Verliebtheit gestanden hatte, ein wenig leichter. Und auch ohne mathematische Berechnungen könnte man sich selbstverständlich ebenso gut der Lektüre eines Buchs oder einfach dem Lauschen der unterschiedlichsten Vogelgeräusche oder des Bachrauschens widmen.

Ein Tag im Haubers stellt sich geradezu klischeehaft dar, bietet sich doch dort die Landschaft in ihrer „Allgäu at ist best“_Manier dar. Man blickt auf saftig grüne Wiesen, einen weiß-blauen Himmel, malerische Berge und hört bereits von weitem die so beruhigenden Kuhglocken. Wenn man Glück hat, erlebt man auch einen ganz besonderen Hörgenuss in Form von Blasmusik, welche wohl direkt vom Zentrum in Oberstaufen oder auch dessen Umgebung kam.

Ein weiteres Highlight stellt die erstaunliche und so authentische, in keiner Weise künstlich aufgesetzte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar. Bin ich es doch von zu Hause rein gar nicht gewöhnt in irgendeiner Form umsorgt zu werden, sondern eher – hoffentlich nur aus Versehen- daran gewöhnt, eine Tür vor der Nase zugeknallt zu bekommen, erlebte ich im Haubers an vielen Stellen eine große Zuvorkommenheit. So wurde mir z.B., als ich gerade auf Krücken gehend, eine heiße Tasse Tee (den man sich übrigens kostenlos zu jeder Tages- und Nachtzeit zubereiten kann) balancierend und unfallfrei zu meinem Zimmer zu bringen versuchte, ganz selbstverständlich nicht nur die Tür aufgehalten, sondern sogar von der Chefin persönlich der Tee bis in mein Zimmer getragen.

Im gesamten Hotel merkt man, wie sehr alle im Haus gerne zusammenarbeiten und auch von der „Chefseite“ sehr anerkennend und wertschätzend behandelt werde. Die guten „vibes“ bekommt jeder Gast bereits bei dem ersten Eintreffen im Hotel ausgesprochen wohltuend mit. Das Naturresort verfügt über die unfassbare Größe von 60 Hektar. Darunter befinden sich auch (Natur)besonderheiten wie die Waldhängematten, eine Schaukelbank, ein Schaubienenhaus oder auch der sogenannte Kuhhimmel, von dem aus man eine grandiose Aussicht auf die Allgäuer Alpen, Oberstaufen und den Säntis genießen kann. Dort oben – wie auch an jeder anderen Stelle im Hotel -wird man mühelos zur Ruhe finden und sich auf sich selbst konzentrieren können, gemäß dem Motto „Entdecke dich selbst.“ Dieses ist abgewandelt von dem berühmten Ausspruch „Γνῶθι σεαυτόν“, der als Inschrift am Apollontempel von Delphi berühmt geworden ist und von allen Pilgern gelesen wurde, welche das Orakel von Delphi um Rat fragten. Sokrates griff das Epigramm auf und machte es zum Fundament seines Denkens. Und nun stößt man im gesamten, so angenehm weitläufigen Gebiet von dem Hotel auf immer wieder (be)merkenswerte Zitate. Und die Hauberianer scheinen sich bereits alle in ihren Qualitäten entdeckt zu haben, habe ich doch selten so viele Leute in ihrem jeweiligen Bereich so enthusiastisch und mit so viel Herzblut bei der Arbeit erlebt wie in diesem Resort.

Sei es die Rezeptionistin, welche stets so gute Laune versprüht, dass man fast das Gefühl bekommen könnte, dass sie dort selbst Urlaubstage verbringt trotz der anspruchsvollen und umfassenden Arbeit, die sie verrichtet, sei es, dass man quasi von einer Seelenverwandten, welche von ähnlichen, nicht immer beglückenden Erfahrungen mit Mann und Kindern zu berichten hatte, den köstlichen Cappuccino und das Omelette (selbstverständlich ganz frisch aus Bioeiern zubereitet) serviert bekam oder aber auch keine Minute bereute, welche man dem früheren Ausstehen geopfert hatte, um zu einer der besten Wassergymnastikangebote zu gehen. Dort ist gute Laune garantiert, schafft es doch der bereits seit über 20 Jahre lang tätige Fitnesstrainer zuverlässig allen Teilnehmenden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenn er voller Inbrunst bereits nach den ersten Takten zu Songs von Jonny Cash, Elvis Presley oder auch der Eagles und sogar seiner selbst komponierten Lieder voll aufgeht und mit großer Begeisterung alle Bewegungsabläufe vorturnt.

Nicht verwunderlich, dass just „seine“ Wassergymnastik eine der hauptausschlagenden Gründe war, weshalb ein höchst sympathisches älteres Ehepaar aus Berlin seinen Hotelaufenthalt sogar noch um eine Nacht verlängert hat. Und auch abends war ich absolut fasziniert, wie herzlich eine der beiden Chefinnen auf jeden einzelnen Gast zugegangen ist und mich mit ehrlichem Interesse fragte, was mit meinem Fuß geschehen sei. Am Ende unseres sehr bereichernden, längeren Gesprächs planten wir bereits den nächsten Aufenthalt.

Das Hotel glänzt durch seine zahlreichen Heuangebote in Form von Heulimonade, der Wahl eines Heukopfkissens, Heulimonade oder aber auch ganz speziellen Wellnessanwendungen mit Heu. Nur zufällig hate ich mich dazu entschieden zum Verfassen zweier Buchrezensionen in den Heuruheraum zu gehen. Als dort gerade Leberwickel vorbereitet wurden und ich die Dame vom Spa fragte, ob ich nun da arbeitend stören würde, beruhigte mich diese nicht nur, dass das kein Problem sei, sondern erzählte zudem so begeistert von den Leberwickeln, welche der Leber nicht nur beim Fasten ausgesprochen guttäten, dass ich mich ganz spontan auch zu einem selbigen entschloss. Und dieser ist durch das Haubers Therapieheu gekrönt und dadurch ganz besonders wertvoll. So werde ich mir ab jetzt hoffentlich endlich merken können, wo genau die Leber zu lokalisieren ist, erschien mir dies die letzten Jahre bei meinen häuslichen Fastenwochen doch oft ein wenig rätselhaft.

Vorteilhaft ist bei dem kulinarischen Konzept übrigens auch, dass man nicht zwangsläufig das Abendessen mitbuchen muss, sondern auch ausschließlich das Frühstück und den Lightlunch, der sogar in dem so großen Zeitraum von 14.00 -18.00 Uhr angeboten wird, genießen kann. Als ich zu diesem noch plötzlich ein großes Verlangen nach einer Eisschokolade verspürte – von deren Existenz zunächst die Bedienung nichts wusste, obwohl diese auf der regulären Getränkekarte aufgelistet war – war ich etwas irritiert, als ein benachbart sitzendes, älteres Ehepaar wie gebannt auf das georderte Getränk starrte und seinen Blick partout von dem süßen Getränk nicht lösen konnte, bis mir der distinguierte, weißhaarige Mann in bestem Schwyzerdütsch erklärte: „Was haben Sie gerade bestellt? Kakao mit Eis? Das gibt es bei uns in der Schweiz überhaupt nicht. Nur einen Eiskaffee.“ Ja, da verstand ich nun die diesbezüglich erstaunten Blicke. Warum seine Frau mich während des gesamten Gesprächs immer nur ratlos ansah, sollte sich im Anschluss herausstellen, als mich der Zürcher Herr fragte, woher ich denn käme und was für einen Dialekt ich spräche – eigentlich überhaupt keinen meiner Meinung nach – und mir dann erläuterte, dass er in Konstanz studiert und in Stuttgart jahrzehntelang gearbeitet hätte, so dass er mit dem Verstehen des Hochdeutschen keinerlei Probleme hatte. Erstaunlicherweise verstand jedoch seine Frau mein wohl etwas Münchnerisch eingefärbtes Hochdeutsch in keiner Weise.

Ohne jegliche Verständigungsprobleme lief es bei einem der weiteren Highlights von Haubers. So kommt man vornehmlich jeden Sonntag in den Genuss eines köstlichen Frühstücks mit einem grandiosen Bergblick auf über 900 Meter, bei dem allein das Benutzen von ganz besonderen Toiletten ein erinnerungswürdiges Erlebnis darstellt. Und nicht nur für alle mobilitätseingeschränkten Personen wie mich bietet der Hotelchef persönlich einen Fahrservice in Form eines urigen Heushuttles an, das mit Hilfe des Fendt-Traktors gezogen wird, welcher seit Jahrzehnten der ganz Stolz der Familie ist. Bei dem Frühstück erwarten einen unter anderem bester Kaffee, süße, frisch gebackene Waffeln, Bratkartoffeln und vieles mehr in luftiger Höhe.

Ich könnte noch seitenlang von der ganz besonderen Atmosphäre im Haubers schwärmen, was nun nur noch kurz in folgende Reflexionen münden soll:

Wo
- wird man höchst persönlich von einem ausgesprochen sympathischen Chef in einem Heuwagenshuttle zum Schwalbennestfrühstück in luftiger Höhe chauffiert?
- findet man eine Unmenge an Produkten mit dem Heu, das jeweils als erstes vom Jahr von den sonnenverwöhnten und seit Jahrzehnten ungedüngten Südhängen, eingefahren wurde und dann zu Heusirup. Heuleberwickel, einem Heubad und vielem mehr verarbeitet wurde?
- studierte eine der beiden Chefinnen just gegenüber meinem ehemaligen Gymnasium, das sich zudem in der Straße meines Elternhauses befindet?
- hat man direkt neben dem lichtdurchfluteten Hotelgelände Zugang zu einem beeindruckenden und so heilsamen wie abwechslungsreichem Waldgebiet?
- gibt es die köstlichste Mangan- und Magnesiumquelle in Form von selbst gemachtem Knuspermüsli und den daraus frisch gebackenen Müslikeksen zu essen?

Das alles wird man wohl in seiner Gesamtheit ausschließlich im Haubers finden – wirklich echt Haubers.

Vorteile:
- Naturbadesee direkt neben dem Saunabereich gelegen, so dass man auch unbekleidet in diesem schwimmen kann.
- Sehr viele Naturerlebnisse möglich
- Unwahrscheinlich weitläufiges Gebiet
- Angebot der unterschiedlichsten Ernährungsformen wie z.B. Intervall-, Heil- oder auch Basenfasten sowie die Schrothkur oder aber auch eine „Genuss“-3/4-Pension
- Ausgesprochene Herzlichkeit der Gastgeberfamilie und aller Hotelmitarbeiterinnen und- mitarbeiter
- Umfangreiches Aktivitätenprogramm wie Therabandgymnastik, Yoga, Pilates oder auch Wald- und Klangschalenmediation durch äußerst geschultes Personal

Nachteile:
- Fehlendes Angebot von Kuchen/Torten beim Vitalbüffet von 14- 18.00 Uhr (was jedoch natürlich allen Fastenden zum Vorteil gereichen wird..)
- Der äußere Sportpool dürfte gerne noch einige Grad wärmer sein
- Keine Saunaaufgusszeremonien




Schreibe einen Kommentar