
Bereits das Titelbild, auf dem „Notre Dame an der Isar“ – die St.Maximilianskirche, in der einer der bekanntesten Pfarrer, Rainer Maria Schießler, predigt, stimmungsvoll in der Abenddämmerung mit der Isar im Vordergrund abgebildet ist, vermittelt ein typisches Münchner Flair. Dem in Tirschenreuth geborenen Autor Marco Corelli, der in München lebt und arbeitet, gelingt es hervorragend, die Leserschaft von Beginn des Krimis in seinen Bann zu ziehen. So beschreibt er sehr bildhaft und atmosphärisch, wie sich eine erfolgreiche Unternehmerin am frühen Morgen auf ihre aufwändig geplante Hochzeitsfeier vorbereitet, während im Anschluss sofort die Aufmerksamkeit auf eine nächtliche Szene mit dem Hauptkommissar Timo Haffner gelenkt wird. Bereits in den ersten vier Kapiteln werden vier verschiedene „Paare“ an vier verschiedenen Orten, ja sogar verschiedenen Ländern, in unterschiedlichen Konstellationen und mitten im Geschehen agierend, vorgestellt.

So ist man von Anfang an sehr gespannt, wie sich im Laufe dieses spannenden Krimis alle Erzählstränge miteinander verweben werden. Dem Autor gelingt es bestens, ganz verschiedene Charaktere nachzuzeichnen, so dass diese den Lesenden unverzüglich bildlich vor dem geistigen Auge erscheinen und auch die Münchner Mundart ist in den Dialogen immer wieder vertreten. Zudem ist es für alle, die München kennen und lieben, sehr reizvoll aufgrund der Nennung bestimmter Straßenzüge, Plätze, Kirchen oder auch Monumente sich genau vorstellen zu können, wo sich die jeweiligen Protagonisten gerade befinden. Kunstvoll wechseln sich in diesem über 400 Seiten umfassenden Werk stets die einzelnen, völlig unterschiedlichen Erzählstränge ab und erzeugen durchwegs eine hohe Spannung, so dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr zur Seite legen möchte.

Marco Corelli glückt es meisterhaft, zwischen detailliert beschriebenen und nur skizziert angedeuteten Szenen hin und her zu wechseln, so dass die Leserschaft immer wieder viel Platz für eigene Spekulationen eingeräumt bekommt. Und noch eine kleine Randbemerkung am Schluss: ich habe mich als Lateinlehrerin natürlich bereits ganz zu Beginn des Buches sehr gefreut, als die Widmung für die Ehefrau, seinen Sohn sowie allen Vorfahren in lateinischen Worten geschrieben war, wobei man hier noch hinzufügen müsste, dass es eigentlich bei dem Ausdruck „d.m. proavum“ „proavi“ heißen müsste, das so viel wie „den Geistern der Verstorbenen des Urgroßvaters heißen“ soll. Vielleicht spielt ja diese so typische lateinische Grabformel in einem der nächsten Krimis von Marco Corelli eine tragende Rolle…




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