
Nicht in Würde Altern, sondern in Würde Eltern sein: bei diesem Titel wurde nur ein einziger Buchstabe bei dem substantivierten Verb verändert und man erhält mit diesem im Herderverlag erschienenen Werk einen humorvollen und umfangreichen Ratgeber, welcher sich bei weitem nicht nur an frischgebackene Eltern richtet, sondern bei dem auch schon deutlich erfahrenere Eltern während der Lektüre immer wieder etwas Neues und Hilfreiches entdecken werden. Der studierte Diplompädagoge Matthias Jung, welcher sich bereits als Autor in die Bestsellerlisten geschrieben hat und zweifacher Vater ist, tourt auch bereits seit Jahren mit unterschiedlichen Programmen als Comedian durch ganz Deutschland. Auf über 20 Seiten bekommt die Leserschaft viel Erhellendes über alle Facetten des Elternseins präsentiert und wird sich zudem immer wieder selbst lobend auf die Schulter klopfen dürfen, wenn sie z.B. vom „Superheldenstatus“ der Eltern liest, welche es schafft, „den Alltag, für den 48 Stunden nötig ist – hierbei sei die kleine Anmerkung gestattet, dass man dieses Verb bei der nächsten Auflage zum Plural, „sind“ umändern sollte -, in 24 Stunden zu packen. Ich hätte gerne 24/8.“ (vgl. S. 20)

Der Autor erzählt höchst sympathisch und kurzeilig von seinen eigenen Erfahrungen im stets turbulenten Familienleben. Bei seinen Ausführungen wird die Leserschaft mit Sicherheit häufig schmunzeln oder auch herzhaft lachen, wenn Matthias Jung diverse Anekdoten aus seinem Alltag als Vater und Ehemann zum Besten gibt. Und er schafft es, das fast ständig mehr oder weniger latent vorhandene schlechte Gewissen, das beinahe alle Eltern zu quälen scheint, zu minimieren, wenn er beispielshalber auf der Seite 66 so erhellende und aufbauende Sätze schreibt wie: „Nein, nur ein Pudding muss gelingen. Unsere Erziehung nicht. Und nicht vergessen: Auch der schiefe Turm ist perfekt. Auf seine Art.“

Dieses Buch ist ein überaus wohltuendes Werk, das nicht irgendein auf Hochglanz poliertes, geschöntes Familienleben idealisiert, sondern sehr ehrlich und authentisch von dem wahren, realen Familienalltag mit all den kleineren und größeren Dramen berichtet und dabei wohl oft besser gegen nagende Schuldgefühle oder übertriebenen Perfektionismus hilft als so manche Gesprächstherapiestunde oder leichte Psychopharmaka.




Schreibe einen Kommentar