Die letzte Liebe der Hui-Wan von Seo Eun-Chae aus dem Aufbau-Verlag

Bereits der Titel enthält durch das Adjektiv „letzte“ eine endgültige Dimension, bei der man zu Beginn des Romans selbstverständlich noch nicht weiß, ob diese Art der Endgültigkeit negativ oder positiv besetzt ist. Eindeutig stimmungsaufhellend ist auf alle Fälle das auf dem Cover abgebildete Naturidyll mit blühenden Kirschbäumen vor einer Gebirgskette. Mit ihrem Debütroman „Die letzte Liebe der Hui-Wan“ ist der koreanischen Autorin Seo Eun-Chae, welche noch nicht einmal 40 Jahre alt ist, ein beeindruckendes Werk gelungen, das sogar schon als Mini-Serie verfilmt worden ist. Auch die Übersetzungsleistung von Jan Henrik Dirks ist beachtlich, liest sich doch die komplette Romanhandlung ausgesprochen flüssig und hat man das Gefühl, dass die Übersetzung genau die Atmosphäre des koreanischen Originals wiedergibt.

Das Buch, das man der Healing Fiction zuordnen kann, beschäftigt sich mit einer ganz besonderen Bucketlist, die Hui-Wan erstellt, als ihr in Form ihres allerbesten Jugendfreundes Ramu die Nachricht überbracht wird, dass sie nur noch sieben Tage zu leben hat. Dabei ist es von der Grundkonstellation schon einmal sehr besonders, dass Ramu bereits Jahr zuvor ums Lebe gekommen ist, als er seine beste Freundin vor dem Tod gerettet hat. Dank dieses Werks taucht man ebenso tief in die fiktive und sehr facettenreiche Geschichte der jungen Hui-wan ein wie auch in seine ganz eigene Gedanken- und Gefühlswelt, in der man sich wohl auch unvermittelt mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen wird. Der Roman, der im Aufbau-Verlag als Hardcocverausgabe erschienen ist, ist zudem auch optisch sehr ansprechend, verfügt er nicht nur über eine angenehme Schriftgröße, sondern auch über ein hübsches, rosafarbenes Lesebändchen.

Das Buch ist in der Ich-Erzählung zunächst aus der Perspektive der Hui-wan geschrieben, welcher sich im Laufe des Werks viele weitere, ganz unterschiedliche Perspektiven raffiniert anschließen. Der Autorin gelingt es meisterhaft durch die Darstellung vieler Dialoge sowie fesselnden Erzählungen den Leser das Geschehen sofort auch sehr emotional erleben zu lassen. So setzen sich viele kleine Puzzlestücke, denen oft eine große Traurigkeit und Verzweiflung anhaftete, am Ende zu einem großen Ganzen, das überaus tröstlich wirkt, zusammen. In dem Debütroman erlebt man eine kunstvolle Verknüpfung aus Retrospektiven in die Kindheit der Ich-Erzählerin und vielen weiteren Figuren mit Szenen aus der aktuellen Zeit. Dabei erlebt die Leserschaft immer wieder sehr überraschende und äußerst ergreifenden Wendungen in der Geschichte. Ein Päckchen Taschentücher wird bei dieser so berührenden Lektüre wohl nicht unbenutzt bleiben.

Beitrag veröffentlicht

von

Schlagwörter:

Weitere Beiträge

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert