
Bietet Tokyo nicht nur zur so weltweitbekannten Zeit der Kirschblüte mit Sicherheit eine unwahrscheinlich große Bandbreite an herrlichen Orten, Sehenswürdigkeiten und Unternehmungsaktivitäten, wird es wohl in der nächsten Zeit nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Deutschen sein, der es in diese faszinierende Hauptstadt Japans schaffen wird. Nun kann man sich zumindest namensmäßig in dem ganz aktuell im Blumenbar-Verlag erschienenen Roman „Tokyo Girls Club“ von Asako Yuzuki auf eine aufregende Reise begeben und erlebt hautnah, wie sich Frauenfreundschaften alles andere als heilsam entwickeln können. Der japanischen Bestsellerautorin ist es auch in diesem Roman hervorragend geglückt, einen packenden Roman der Leserschaft zu bieten, der einen auch auf psychologischer Ebene tief ergreift und über vieles reflektieren lässt, was im asiatischen wie im europäischen Raum allgemeine Gültigkeit besitzt.

So erkennt die Leserin/der Leser nicht nur sehr schnell, dass der äußere Schein oft trügt und man keinen einzigen um ein vermeintlich perfektes, erfülltes Leben beneiden muss. Die 30-jährigen Eriko führt in Tokio augenscheinlich ein erfülltes Leben, begleitet von liebevollen Eltern und von äußerer Schönheit sowie mit einem gut dotierten Job als Abteilungsleiterin gesegnet. Doch sie fühlt sich innerlich absolut leer und sehnt sich nach nichts mehr als nach einer tiefen Frauenfreundschaft. Diese scheint sich endlich zu erfüllen, als sie Shoko kennenlernt, die ein völlig konträres Leben zu dem ihrigen führt, indem sie unstrukturiert in den Tag hineinlebt und einen Hausfrauenblog betreibt. Nach ihrem plötzlichen Verschwinden beginnt eine Kaskade der disruptiven Beziehungen und man erlebt hautnah -sehr berührend und niederschmetternd -, an welchen inneren und äußeren Begrenzungen jegliche Beziehungen und Lebensträume scheitern können.

Der Autorin gelingt es, ein bis ins letzte Detail ausgearbeitetes Innen- und Außenleben der Protagonistin nachzuzeichnen, so dass sich die Leserschaft stets mitten im Geschehen befindet. Die Romanhandlung liest sich sehr leichtfüßig und die Komposition ist sehr reizvoll, da man stets eine alternierende Kapitelabfolge hat, in der abwechselnd aus der Sichtweise von Eriko und anschließend aus der Perspektive von Shoko erzählt wird und man durch diese Kompositionsweise immer wieder ganz unterschiedlichen Gedankengängen folgen kann. Auch wenn ich des Japanischen leider in keiner Wiese mächtig bin, erscheint mir die von Ursula Gräfe angefertigte Übersetzung sehr stimmig und nahe an dem Original zu sein.



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