Gespräche, die ich nie geführt habe von Elfriede Hammerl aus dem Kremayr&Scheriau-Verlag

Auch wenn der so bekannte Spruch von Paul Watzlawick „Man kann nicht nicht kommunizieren“ sehr plakativ das tagtägliche Interagieren der verschiedensten Menschen beschreibt, bleibt vieles, gerade auch in Paarbeziehungen, aus den unterschiedlichsten Gründen ungesagt. So wird wohl in zahlreichen Partnerschaften ein genervtes Augenrollen des Partners/der Partnerin weitaus häufiger zu konstatieren zu sein als tiefgreifende Gespräche, die über reine Organisationsfragen, welche der (Familien)alltag mit sich bringt, hinausgehen. Auf eine geniale Idee ist in dem großen Bereich der (Nicht-)Kommunikation innerhalb einer Paarbeziehung nun die renommierte Autorin Elfriede Hammerl gekommen, welche nicht nur im Laufe ihres bewegten Lebens unzählige Kolumnen für Zeitungen und Zeitschriften verfasste, sondern ebenso jegliche Litertaturformen der kürzeren oder auch längeren Genres höchst erfolgreich veröffentlichte.

Nun ist ihr mit diesem Roman „Gespräche, die ich nie geführt habe“, der ganz aktuell im Kremayr&Scheriau-Verlag erschienen ist, erneut ein beeindruckendes Werk geglückt, das einen bereits auf den ersten Seiten gefesselt immer wieder weiterlesen lassen möchte. So beginnt es doch schon völlig anders, als wie man es von den meisten anderen Romanen kennt. Erst nach einigen Seiten eines packenden Dialogs, bei dem die Aussagen oder auch Fragen wie bei einem Ping-Pong-Spiel zwischen „ihm“ und „ihr“ hin- und herfliegen, erfährt man, dass der vorgestellte Dialog nie tatsächlich stattgefunden hat, sondern von der Protagonistin rein fiktiv ist. Sehr galant gelingen stets die Überleitungen zwischen den spritzigen fiktiven Dialogen und den erläuternden, erklärenden oder auch kommentierenden Erzählungen der Ich-Erzählerin.

Dass die Autorin aus der Steiermark kommt, spiegelt sich höchst sympathisch immer mal wieder in typisch österreichischen Ausdrücken wie „Jänner“, „Geh bitte“oder auch der Verwendung von besonderen Adjektiven wie „abwechslungslos“ wider. An zahlreichen Stellen kann man gar nicht anders, als aufgrund des so intelligenten Wortwitzes über das gesamte Gesicht zu schmunzeln. Elfriede Hammerl gelingt es meisterhaft, durchgehend in einem sehr pointierten und scharfsinnigen Schreibstil die Dialoge sowie alle reflektierenden Erörterungen der Protagonistin zu verfassen. Zudem regt die Autorin auch immer wieder die Leserschaft zum Nachdenken an, wenn sie z.B. die Frau auf der Seite 10 konstatieren lässt: „Es gibt keine schuldlosen Mütter.“ Es hat einen großen Reiz, dass die Autorin die Protagonistin von derselben Ausgangssituation aus, dem geplanten Begehen eines runden Geburtstags, in einem Wortwechsel nach dem anderen ständig den Gesprächsverlauf zwischen „ihm“ und „ihr“ in andere Bahnen lenkt, je nachdem wie sie in das fiktive Gespräch einsteigt. Auf der Seite 33 erklärt das literarische Ich die Notwendigkeit der fiktiven – und beeindruckend pointierten – Dialoge folgendermaßen: „Ich habe auch schon mit TG( „TG“ steht hierbei übrigens für „Trophy Guy“, da er sich selbst für einen Haupttreffer hält) gestritten, aber unsere Auseinandersetzungen führen zu nichts.“ Dankbar kann sich auf diese Weise die Leserschaft an der Gesamtkonzeption dieser Neuerscheinung erfreuen und an der Konstellation von insgesamt drei Protagonisten, wobei die dritte im Bunde, Gabi-Irina, keine sprechende Rolle innehat. Und von Seite zu Seite wird man durch die scharfsinnigen Dialoge nicht nur bestens unterhalten, sondern erfährt auch immer wieder Frappierendes über die drei Protagonisten in Form der Ich-Erzählerin, von TG und Gabi-Irina. Und sollte auch in der eigenen Partnerschaft eher eine große Sprachlosigkeit herrschen, wird man unter dieser nach der Lektüre dieses brillanten Werkes deutlich weniger leiden, erinnert man sich doch immer wieder an wunderbare Stellen in diesem Buch zurück oder lässt sogar selbst im eigenen Kopf zahlreiche Dialoge entstehen, welche wohl vielleicht nicht so literarisch erhaben glücken, aber mit Sicherheit dennoch zumindest einen therapeutischen Effekt aufweisen werden.

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