Wavewalker von Suzanne Heywood aus dem DuMont-verlag

Haben unsere Söhne spätestens seit dem letzten Sommer das Schifffahren auf kleineren und größeren Schiffen lieben gelernt und möchte unser Älterer unbedingt nächstes Jahr, einen Segelkurs besuchen, wünscht sich wohl keiner von uns, das durchstehen zu müssen, was die Autorin dieses ganz aktuell von Sabine Thiele übersetzten Tatsachenromans „Wavewalker“ als Kind durchleben musste, als sie mit sieben Jahren zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder die (Alptraum) reise ihres Lebens auf dem Segelschiff „Wavewalker“ angetreten ist.

Dieses Buch sorgt an zahlreichen Stellen für wahre Gänsehautmomente und verdeutlicht, dass der Lebenstraum der Eltern ein völlig anderer als der der Kinder sein kann. Das Memoir wird sicher auch jeder/m helfen, der sich in einer bestimmten Situation genauso aussichtslos gefangen sieht wie die Autorin dieses Buches, welche unglaubliche zehn Jahre, ihre gesamte Kindheit und Teenagerzeit darauf warten musste, bis sie endlich wieder in ihre ersehnte Heimat zurückkehrte.

Sie, welche für ihren Schulabschluss auf hoher See lernen musste und nach ihrer Promotion einige Jahre lang für das Britische Finanzministerium arbeitete, nahm für diese schonungslos offene Erzählung in Kauf, dass ihre Eltern sie seit dem Verfassen des Memoirs nicht mehr besuchten und diese sogar drohten, der Karriere ihres Mannes zu schaden.

Auf über 430 Seiten nimmt die Autorin ihre Leserschaft auf eine überaus packende und an vielen Stellen unglaubliche Reise auf dem Meer mit, man erlebt hautnah all ihre kleinen Freuden wie die unfassbar großen (Todes)- und Verlustängste. Anders als viele der Expeditionsromane, welche von den Protagonisten selbst verfasst wurden, deren größter Lebenstraum die beschriebene Unternehmung darstellt, ist dieses Buch aus der Sicht einer Frau erzählt, welche als Kind keine andere Wahl hatte, als ihren Eltern zu folgen und dadurch zahlreiche Enttäuschungen, Frust, unbeschreibliche Angst und vieles mehr erleiden musste in einem Maß, welches das Niveau Gleichaltriger um ein Vielfaches übersteigt.

Und trotz allem ist es bewundernswert, dass dieses Buch von keiner emotional gebrochenen Frau verfasst ist, sondern von einer unglaublich starken Frau, welche nicht nur in intellektuellen Bereichen brilliert, sondern gleichermaßen fürsorgliche Mutter von drei Kindern geworden ist. Und es zeigt sehr eindrucksvoll, dass jeder Mensch von Geburt an ein Individuum ist und der Lebenstraum des Einen zum absoluten Alptraum des Anderen werden kann…

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