Brühkurs (Mahlen und Brühen in der Kaffeerösterei Murnau), Blooming, Begeisterung, Bildungszuwachs

Turbulenzen im Flugverkehr und gerade auch bei den Paraglidern, welche sich sehr elegant eine Stunde vor dem Beginn des ausgesprochen lehrreichen und unterhaltsamen „Brühen und Mahlen“-Kursus der Kaffeerösterei Murnau vor dem Alpspitzmassiv Luftebene um Luftebene herunterschraubten, sind ausgesprochen gefürchtet. Vogelnester in den Haaren der eigenen jüngeren Töchter zu finden, sorgte stets für familiären  Ärger, wenn sich die Damen im Vorschul-und Grundschulalter zwar ganz lange Haare wünschen, aber nicht bereit sind, diese auch ordentlich und regelmäßig zu bürsten.

Und viele Gesundheitsbewusste machen wohl häufig eher einen Bogen um alles, das die Aufschrift „gebleicht“ enthält. Warum nun jedoch die Begriffe der Turbulenzen, des Vogelnestes sowie der Bleichung im Kontext des Brühens von Spezialitätenkaffee ausgesprochen positiv konnotiert sind, lernt man unter anderem in dem sechsstündigen Kaffeeseminar „Brühen und Mahlen“, das von Michi Eckel, dem Bruder des Murnauer Kaffeerösters, so informativ und kurzweilig gestaltet ist, dass die sechs Stunden -immerhin länger als ein regulärer Schultag – wie im Fluge vergehen.

Wie in dem dreistündigen Kurs „Kaffeegeheimnis“ findet auch dieser Kurs in dem wunderschön hergerichteten und geräumigen Schulungsraum oberhalb der Caféräumlichkeiten der Murnauer Kaffeerösterei statt. Die Teilnehmerzahl ist ebenso auf die höchst angenehme Größe von fünf begrenzt, so dass von Beginn an eine sehr familiäre und lockere Atmosphäre entsteht. An diesem Samstag waren mit mir noch ein Paar, das durch seine bereits jahrelange Tätigkeit als Organisatoren von Verkostungen in diversen Supermärkten in München, Garmisch oder auch Berchtesgaden, welche allesamt den Murnauer Spezialitätenkaffee verkaufen, eine große Erfahrung und Leidenschaft für diesen Kaffee entwickelt hat, sowie ein sehr sportliches Paar mittleren Alters aus Hessen, das campingbegeistert ist und im Zuge dessen immer wieder auch auf seinem Instagramkanal allerlei Produkte, welche für den Outdoorurlaub nützlich sind, vorstellt. Passenderweise hatten sie aktuell eine Frenchpresskanne mit einer integrierten Thermosfunktion zum Testen mit im Gepäck.

Erschien mir zu Beginn die Ankündigung, dass wir im Laufe der nächsten sechs Stunden bis in den Abend hinein um die 50 Löffel frisch gebrühten Kaffees testen würden, als kaum schaffbar, sorgte ich mich auch ein wenig um meinen – sowieso katastrophal schlechten – Schlaf, wenn ich in den frühen Abendstunden noch Kaffee trinken würde, erläuterte uns gleich zu Beginn der Vollblutleiter der Kaffee-Academy Michi das Prozedere: „Es gilt wie bei den Weinverkostungen: Spucken oder Schlucken.“ Es sei vorweggenommen, dass der Kaffee so gut mundete, dass ich nicht umhinkonnte, als alles zu schlucken und keinen einzigen Kaffeetropfen verkommen zu lassen. Interessant dabei anzumerken ist übrigens, dass anders als z.B. beim Kaffeegeheimniskurs für alle vorgestellten, unterschiedlichen Brühverfahren stets dieselbe Kaffeebohne, in unserem Fall mit der wohlklingenden Bezeichnung „Bankerl Rast“ auf der Verpackung versehen, verwendet wurde.

Unabhängig davon, wie viel Erfahrung und Spezialwissen man bereits rund um den Kaffee erworben hat, wird man mit absoluter Sicherheit in diesem Kurs noch eine Menge dazulernen. Wusstet ihr z.B., dass die Lagerung und selbst die Farbe der Papierfilter einen großen Einfluss auf den Kaffeegeschmack haben kann? Und dass die Trinkwasserhärte ebenso eine nicht zu unterschätzende Rolle bei dem Kaffeekochen spielt? Mir als Liebhaberin von Alliterationen aller Art haben sich selbstverständlich die drei wichtige „T“s, welche die drei Säulen für einen gelungen Kaffee darstellen, sofort in das Gedächtnis gebrannt. Welche dies genau sind, erfahrt ihr am besten, wenn ihr selbst diesen phänomenalen Kurs besucht. Es sei an dieser Stelle schon einmal verraten, dass ein „T“ für die Temperatur und das zweite „T“ für die bereits eingangs erwähnten Turbulenzen steht. Selbstverständlich sind in dem Schulungsraum auch drei ganz spezielle Wasserkocher vorhanden, welche nicht nur über einen optimalen, schmalen Ausgießschnabel, sondern auch über eine genaue Wassertemperaturanzeige verfügen.

Insgesamt ist ausgesprochen positiv hervorzuheben, dass Michi stets betont, dass es meistens nicht richtig oder falsch gäbe, sondern dass es am wichtigsten sei, dass einem schmeckt, was man schlussendlich in der Tasse hat. Und für das Erleben einer wahrhaftigen Geschmacksexplosion stellt er durchgehend zahlreiche, verschiedene Spielarten vor. Sein gesammeltes Kaffeewissen überreicht er allen Seminarteilnehmerinnen und -Teilnehmern auch immer gleich zu Beginn in Form eines sehr interessanten und umfangreichen Booklets von 13 Seiten, das zu Beginn der Präsentation der verschiedenen Zubereitungsmethoden von Brühkaffee auch stets erläutert, seit wann es in etwa diese Art der Kaffeekanne gibt oder auch in welchem Land selbige ihren Ursprung hat.

Und so lernt man bereits beim ersten Durchblättern dieses so liebevoll und detailliert zusammengestellten Handouts viel Neues kennen. So wird höchstwahrscheinlich einem Großteil vor dem Kurs der sogenannte Hario Switch ebenso wenig ein geläufiger Begriff gewesen sein wie die Karlsbaderkanne. Auch Funfacts fließen immer wieder in den überaus abwechslungsreichen Kurs ein. Und so ist es verwunderlich und erfreulich zugleich, dass z.B. der Prozentsatz der Spezialitätenkaffeetrinkerinnen und -Trinker in Deutschland -wo die deren Bewohnerinnen und Bewohner den Ruf genießen eher wenig Geld für kulinarische Genüsse auszugeben – um ein Vielfaches höher als z.B. in Spanien oder auch Italien ist.

In dem Kurs erfährt man eindrücklich, was die Turbulenzen für eine signifikante Bedeutung beim Kaffeebrühen haben, warum das Blooming für den Geschmack sehr entscheidend ist und was man darunter überhaupt genau versteht, wie man die Ziehzeit des Kaffees verlängern kann oder aber auch, wieviel Gramm an frisch gemahlenem Kaffeepulver für eine bestimmte Menge an Wasser optimal ist. Immer wieder lernt man neue, sehr hilfreiche Tipps und Kniffe kennen, welche man zu Hause ausgesprochen leicht bei der täglichen Kaffeezeremonie umsetzen kann und welche spürbar die Qualität und das Potenzial des frisch gebrühten Kaffees steigern.

Außerdem erfährt man, welche Materialien absolut geschmacksneutral sind und von welchen Löffeln man z.B. Abstand halten sollte, wenn man ein unverfälschtes Geschmackserlebnis genießen möchte. Ich persönlich habe ebenso gelernt, dass ich bis jetzt stets zu viel Kaffeepulver verwendet habe, was der optimalen Ausgewogenheit des Kaffeegeschmacks eher geschadet hat. Warum kreisende Bewegungen beim Überbrühen des Kaffeepulvers mit heißem Wasser bedeutsam sind, lernt man ebenso wie die so positive Bedeutung des Vogelnestes im Rahmen des Kaffeebrühens, das dafür sorgt, dass das heiße Wasser gleichmäßig an alle Stellen gelangt.

Und ich bin mir sicher, dass bis jetzt wohl noch keine/r wusste, wie man allein durch die richtige Brühmethode ganz ohne die Zugabe irgendeiner Zuckerart, den Geschmack des Kaffees deutlich versüßen kann. Und man erinnert sich während des Besuchs des einmaligen Kaffeekurses einmal mehr an die Worte des so berühmten Soziologen Hartmut Rosa, welcher immer wieder betont, wie wichtig das Selbstmachen gerade in unserer heutigen Zeit ist. Während z.B. bei der Kaffeezubereitung im Vollautomat ein Knopfdruck reicht und das Ergebnis wohl immer annähernd gleich schmecken wird, gibt man bei der Methode des manuellen Aufbrühens stets in den Kaffee auch alles mit, was man tagsüber erlebt hat.

Das so inspirierende Seminar ist ein Fest für alle Sinne, so darf man sich auch immer wieder von den unterschiedlichen Mahlgraden überzeugen, indem man diese durch die Finger rieseln lässt oder stellt ganz verwundert fest, dass ein Kaffee, der auf einem grünen Filzuntersetzer steht, tatsächlich anders schmeckt als derselbe, welcher auf einem roten Untersetzer platziert wird. Es ist ebenso erstaunlich live zu sehen und zu schmecken, welchen Einfluss unterschiedliche Kaffeemühlen und deren verschieden eingestellten Mahlgrade haben und welch großen geschmacklichen Unterschied es zwischen ganz frisch und einem Tag zuvor gemahlenen Kaffeebohnen gibt.

Für ein weiteres kulinarisches Highlight sorgte ungefähr in der Mitte der Kursus die Einladung, sich im direkt unter dem Schulungsraum gelegenen Verkaufs- und Caféraum ein Stück Kuchen seiner Wahl auszusuchen. Dabei sieht ein Kuchen köstlicher als der andere aus und die Entscheidung fiel ausgesprochen schwer. Egal, ob man sich für eine Nussecke, eine Tiramisutorte oder aber auch einen Apfelzimt- oder einen NewYorkCheesestylekuchen entschieden hatte, bekam man dazu einen eisgekühlten Kaffee serviert, welcher nach einer ganz speziellen Brühmethode zubereitet worden war.

So wurde dieser – anders als in der Gastronomie, in der üblicherweise der übriggebliebene Kaffee vom Frühstück zum Eiskaffee für den Nachmittag mutiert – bereits am Vorabend kalt aufgesetzt und erst am nächsten Morgen durchgefiltert. Auch hier wurden wieder verschiedene Spielarten des kaltgebrauten Kaffees gezeigt, so dass man durch diesen Kurs tatsächlich mit vielen neuen, inspirierenden Ideen bereichert nach Hause zurückkehrt. Insgesamt kann man gar nicht oft genug hervorheben, welch durchgehend hohes qualitatives Niveau die Murnauer Kaffeerösterei in allen Bereichen aufweist. Man spürt überaus deutlich die große Leidenschaft und die Zielsetzung, den Gästen ausschließlich das Allerbeste zu bieten, wird stets erreicht. So bieten nicht nur die diversen Kaffeeröstungen ein fulminantes Geschmackserlebnis, sondern ebenso die zahlreichen, unterschiedlichsten Kuchen und Torten, welche alle mit viel Liebe und Können direkt in der Backstube neben den Verkaufsräumen der Kaffeerösterei täglich frisch gebacken werden.

Und allen Gästen sowie Kursteilnehmerinnen und -Teilnehmern wird ganz selbstverständlich, ohne es überhaupt zu erwähnen, nur das Beste vom Besten dargereicht. So konnte man sich während des Kurses über die gesamte Zeit mit einer professionell und liebevoll zusammengestellten Nussmischung von Michi persönlich oder auch mit ganz besonderen herzhaften Biogebäckstangen stärken. Nach der theoretischen Einführung und der praktischen Übung rund um das optimale Mahlen der Kaffeebohnen sowie dem Umgang mit den verschiedenen Handfiltern, darf in diesem Kurs natürlich auch die French Press nicht fehlen.

Diese ist nicht nur ideal für alle Urlaube unterwegs geeignet, sondern lässt sich ebenso gut zum Milchaufschäumen wie zum Entkoffeinieren des Kaffeepulvers verwenden. Wie dies genau funktioniert, erklärt Michi mit ebenso viel Herzblut wie die Tatsache, dass die nacheinander aus der French Press eingegossenen Kaffeetassen frappierend unterschiedlich schmecken. Ein Besuch in der Kaffeerösterei, sei es zum bloßen Kaffeetrinken oder aber auch um in einem der Kurse einen wahren Bildungszuwachs erleben zu dürfen, ist stets ein großer Gewinn und ebenso in Form eines Gutscheins ideal für alle lieben Menschen im Freundes- und Verwandtenkreis geeignet. Herzlichen Dank, lieber Michi, für dieses so tolle und lehrreiche Erlebnis und bis hoffentlich ganz bald.

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