Die sanfte Wucht der Papierflieger von Gerhard Kummer aus dem Ueberreuter-Verlag

Halte ich als Lehrerin von Papierfliegern, welche zur Freude der Unterstufenklässler durch das Klassenzimmer gleiten, ausgesprochen wenig, verhält es sich bei diesem ganz aktuell im Ueberreuter-Verlag erschienenen Buchtitel „Die sanfte Wucht der Papierflieger“ von Gerhard Kummer völlig anders. Bereits das Phänomen der Papierflieger lässt einen an die Kindheit zurückdenken. Und genau in das Dorf seiner Kindheit muss der Erzähler nun in diesem Roman zurückkehren, um sich zusammen mit seiner Mutter bestmöglich um seinen schwer erkrankten Vater, welcher früher die besten Papierflieger der Welt gebaut hat, zu kümmern. Als Erwachsener lebt er plötzlich wieder in seinem alten Zimmer unter dem Dach, mutiert „vom Freigeist zum Sohn“, durchlebt aus einer ganz anderen Perspektive seine Kindheits- und Jugenderinnerinnungen und merkt nach und nach, welche ungeahnte Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten sich ihm genau in dem ihm immer viel zu klein erscheinenden Dorf, in dem er aufgewachsen ist, bieten.

Dem Autor gelingt es meisterhaft, den Erzähler an vielen Stellen wieder quasi zum kleinen Jungen werden zu lassen, während er an anderen Passagen mit seinem erwachsenen Ich viele Sachverhalte ganz anders sieht. Seine liebevollen Gefühle gegenüber seinen Eltern sind genauso berührend wie die ganz besondere Beziehung zu Lisa, einer Frau, die er „nicht einfach losgelöst leiben konnte“, oder auch die Beschreibung seiner großen Selbstzweifel und Versagensängste.

Der Wiener Autor schafft es mit wenigen Worten, großartige Szenen und Gefühlslagen zu entwerfen, so auch z.B. bei den Krankenhausschilderungen. Zudem findet die Leserschaft ausgesprochen tröstliche Worte zum Tod, aber auch zum Leben. So sollte dieser Roman eigentlich auf Rezept verschrieben werden, um allen eine neue Perspektive auf das Leben, gleichermaßen wie auf den Tod zu schenken.

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