
Als ich das erste Mal von unserer ältesten Tochter erfuhr, was man unter einer Tradwife versteht und dass sie dieses neue (alte) Rollenbild wohl auch nicht als ganz unattraktiv empfände, war ich ein wenig konsterniert, konnte ich doch der Darstellung in den sozialen Medien der Tradwives herzlich wenig abgewinnen. Und so spricht mir bereits der Titel dieses ganz aktuell im Ueberreuter-Verlag erschienenen Buches aus der Seele mit „Bullshit mit Blümchenkleid“. Auf über 220 Seiten präsentiert die erfahrene österreichische Journalistin und Podcasterin Barbara Haas, welche auch den gesellschaftspolitischen Podcast „faire &female“ hostet, grundsätzliche Gedanken, Diskurse sowie die Rolle der Frau in der Geschichte und setzt sich mit dem relativ neuen Trend einer vermeintlichen Tradwife-Idylle auseinander.

Sie beleuchtet dieses Phänomen aus den unterschiedlichsten Perspektiven und wird wohl gleichermaßen vielen, die zuvor nur ein diffuses, ablehnendes Gefühl gegenüber diesem Rollenmodell hatten, eine Vielzahl an höchst fundierten Ausführungen und Argumenten bieten wie auch diejenige, welche dieses Tradewifemodell idealisieren, zum intensiven Nachdenken bewegen. So wird sehr deutlich herausgestellt, dass die bewusste Entscheidung, eine Tradwife zu sein, nicht nur eine persönliche Entscheidung darstellt, sondern ebenso eine starke politische Dimension beinhaltet. Die Autorin ist in einer Großfamilie aufgewachsen, deren mittlerweile 85-jährige Mutter quasi als tradwife 1.0 sieben Kinder großgezogen und gleichzeitig Bäuerin auf einem großen Milchwirtschaftshof war.

Diese war bereit, ihrer Tochter ein sehr berührendes Interview zu geben, das im fünften Kapitel abgedruckt ist. In dem Buch wird der content einiger sehr bekannter Tradwife-Influencerinnen dargestellt, bevor beachtlich stringent und klar argumentiert wird, warum man diese Bewegung eigentlich nur als „Bullshit“ bezeichnen kann. Dabei hatte Barbara Haas unter anderem den kreativen Einfall, auch mit Hilfe der KI und basiert auf den Büchern und Aussagen von Simone de Beauvoir, ein Interview mit ihr über das Phänomen der Tradwifes zu erstellen, das höchst lesenswert uns aufschlussreich ist.



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