
Eingefleischte Fans der österreichischen Autorin Martina Parker werden nun mit diesem ganz aktuell im Gmeiner-Verlag erschienenen Krimi „Anbandelt“ für ihre Geduld belohnt und können sich auf ein langes Lesevergnügen dank des knapp 500 Seiten umfassenden Werks freuen. Dies ist bereits der sechste Band dieser fesselnden Gartenkrimireihe, deren Fangemeinde von Band zu Band immer größer wird. Dass die Autorin das Schreiben von der Pike auf gelernt hat, beweist nicht nur ihr erfolgreicher Beruf als Journalistin, in dem sie unter anderem auch ausgesprochen viele prominente internationale Persönlichkeiten interviewt hat, sondern auch ihr stringenter Schreibstil, welcher das Lesen eines jeden einzelnen Kapitels zur großen Freude werden lässt. Kaum hat man das Buch begonnen, möchte man es am liebsten überhaupt nicht mehr zur Seite legen, gerät man doch unverzüglich in einen regelrechten Leseflow.

Allein die Bezeichnung des Gartenkrimis ist wohl dieser Ausnahmeautorin singulär zuzuordnen, ermitteln doch die Damen des Klubs der Grünen Daumen, welchen allesamt eine große Liebe zum Garten zu eigen ist, in einem neuen spannenden Fall und befinden sich dieses Mal auch ein halbes Jahrhundert zurückversetzt, in die Kommunenzeit der 1970-er Jahre mit ihren ganz eigenen Regeln. Der Roman ist sehr vielschichtig geschrieben und es gelingt der Autorin auf grandiose Weise, die unterschiedlichsten Handlungsstränge und Anekdoten miteinander zu verquicken, so dass die Leserschaft sowohl mit den Protagonistinnen und Protagonisten mitfühlen, mitweinen als auch mitlachen und einfach alles so hautnah erleben darf, als wäre sie selbst bei allen Schauplätzen im Burgenland vor Ort. Sehr angenehm ist der Leserservice, dass man gleich zu Beginn des Krimis ein ausführliches Personenverzeichnis präsentiert bekommt, das man beliebig oft konsultieren kann, wenn man sich z.B. nicht mehr ganz sicher ist, wer nun Mutter oder wer (Enkel)Tochter bei der Familie Horvath ist oder auch, wer den Klub der Grünen Daumen gegründet hat. Diese trägt übrigens den besten Nachnamen, den man sich vorstellen kann – meinen geliebten und auch gerade in Köln sehr bekannten Mädchennamen.

So klassisch wie der Krimi wie ein Theaterstück durch einen Pro- bzw. Epilog eingerahmt wird, so unkonventionell, spritzig und immer wieder frappierend präsentiert sich die Krimihandlung auf allen verschiedenen Ebenen. Durch die Lektüre wird man nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch ähnlich einem Mini-Studium generale gebildet in Bezug auf viele Kuriositäten in der Fauna. So wird wohl nur den Altphilologen der sogenannte „torpor“ bei den Fledermäusen ein Begriff oder aber auch der Grund, warum Haie höchst geduldig und friedlich auf die Putzerfische waren, bekannt sein. Solch wunderbaren Wörter wie z.B. „Germ, Striezel oder auch Magister“ komplettieren die Krimihandlung, so dass man sich sofort an die Originalschauplätze im Burgenland versetzt fühlt.

Das Buch endet so wie es des ganz eigenen Parker-Schreibstils würdig ist, nicht mit einem billigen Happyend, sondern pointiert und überraschend. Und allen Fans (den „alten“ ebenso wie den relativ neuen) sei an dieser Stelle schon einmal verheißen, dass sie auch nach der Lektüre dieses sechsten Bandes keine allzu bitteren Tränen vergießen müssen, besteht doch die bereits gesicherte Perspektive auf einen weiteren Band.




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