
Ich habe selten eine bereits so ausgesprochen herzliche Atmosphäre bei der ersten Kontaktaufnahme erlebt wie dies bei der Kaffeerösterei Murnau der Fall war. Wann immer ich im Blauen Land unterwegs bin, darf der obligatorische Stop in dieser so besonderen Kaffeerösterei, um für einen ausreichenden Kaffeevorrat zu sorgen, nicht fehlen. Nun hatte ich just an dem Wochenende mit dem deutschen Nationalfeiertag die große Freude, dank des dreistündigen Kurses „Kaffeegeheimnis“ noch viel tiefer in die Geheimnisse des Kaffees eintauchen zu dürfen, dessen Genuss – im Gegensatz zu den Kakaobohnen – für die breite Masse erst seit 150 – 200 Jahren überhaupt zugänglich ist. Den Kurs bietet Michael Eckel, der Bruder des Murnauer Kaffeerösters,Thomas Eckel, an.

Schon beim Eintreffen in dem geschmackvoll eingerichtetem und lichtdurchflutetem Seminarraum warten auf jedem Platz der Seminarteilnehmerinnen und -Teilnehmer jeweils ein schöner Block, ein edler Kugelschreiber sowie diverse Informationen rund um den Kaffee. Stilvoll bekommen alle erst einmal einen köstlichen Espresso in einer bildhübschen Porzellantasse serviert, bei dem man gleich erfährt, warum man auch einen schwarzen Espresso ohne Zucker und Milch mit einem kleinen Löffel verrühren sollte.

Die gesamten Kursstunden sind von einer sehr herzlichen und intimen Atmosphäre geprägt, bei der man merkt, dass es hierbei nicht um Profit, sondern um echte Wissensvermittlung mit ganz viel Herzblut geht. So gilt stets – anders als z.B. bei diversen Koch- und Backkursen – eine maximale Teilnehmerzahl von fünf Personen. Michi geht auf wirklich alle Fragen ausführlich und mit einem großen Fachwissen ausgestattet ein und so kann der dreistündig angesetzte Kurs auch locker um eine Stunde verlängert werden.

Unabhängig davon, wieviel Wissen man bereits rund um den Kaffee im Vorfeld erworben hat, wird jede/r nach diesem Kursus deutlich bereicherter herausgehen. Und so erfährt man nicht nur ausführlich den Unterschied zwischen den beiden Kaffeearten Arabica und Robusta, sondern ebenso eine interessante Darstellung der unterschiedlichen Kaffeetrinkkulturen in ganz Europa oder aber auch frappierende Details von Industrie- und Spezialitätenkaffee. So wird das Seminar für ausnahmslos alle viele wahrhaftige Augenöffnermomente bereithalten.

Die Teilnahme an solch einem außergewöhnlichen Kurs eignet sich selbstverständlich auch ideal als Geschenk für alle Kaffeeliebhaberinnen und -Liebhaber. Als kleinen Appetizer sei im Zuge dessen verraten, dass man im Laufe des Seminars z.B. auch erfährt, welch enge Verbindung es zwischen Erich Honnecker und dem Anbau von Robustabohnen in einem ganz bestimmten Land unserer Welt gibt oder auch welches das Hauptanbauland für Arabicabohnen darstellt.

Zudem wird genau erklärt, warum die eine Kaffee-Art erstaunlicherweise doppelt so viel Koffein wie die andere enthält, warum die enthaltene Chlorogensäure gesundheitliche Vorteile bietet oder aber auch warum es z.B. keine expliziten Espresso-Kaffeebohnen gibt. Die Kaffeerösterei entwickelt sich ständig weiter und testet stets Neues aus. Dafür, dass bei der täglichen Kaffeerösterei wirklich immer auf den Punkt geröstet wird, so dass das Maximum an Geschmack herausgekitzelt wird, sorgt das Team rund um die beiden Eckel-Brüder mit genauso viel Engagement wie auch immer wieder mit neuartigen Produkten experimentiert wird.

Und so bietet die Kaffeerösterei nun seit einiger Zeit auch einen ganz besonderen Kaffeekirschentee an, dessen Basis, das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche, bis vor wenigen Jahren meistens entsorgt wurde. Unter dem klangvollen Namen Cascara – dies ist das spanische Wort für die Kaffeekirsche – kann man in der Kaffeerösterei in Murnau den Tee erwerben. In dem Seminar durften alle gleich ein Glas dieses Früchtetees mit einem ordentlichen Koffeeinkick probieren und wurden zudem mit kreativen Rezeptvorschlägen versorgt.

Der Kurs vermittelt zahlreiche Kniffe für die Kaffeezubereitung und geht dabei auf die optimale Wassertemperatur bei der Zubereitung ebenso ein wie auf die bestens temperierte Kaffeetasse, ideale Aufbewahrungsmöglichkeiten für Kaffeebohnen oder aber auch die Bedeutung der unterschiedlichen Mahlgrade. Warum es für alle Veganer eine deutlich bessere Alternative als Hafermilch gibt und warum man in jede Kaffeebohne erst einmal hineinbeißen sollte, wird ebenso verraten wie das Paradoxon aufgeklärt wird, dass es proportional zur steigenden Qualität eine stark sinkende Anzahl der unterschiedlichsten Zertifizierungen gibt.

Hat man sich erst einmal durch einige der wunderbaren Spezialitätenkaffes durchprobiert wie z.B. den beliebten Malabar Monsooned aus Indien oder auch den Kaffa aus Äthiopien, versteht man nur allzu gut, warum man bei weitem nicht nur eine halbe Stunde lang den Genuss eines Glas Weines zelebrieren, sondern ebenso hingebungs- und genussvoll dem bewussten Trinken eines Spezialitätenkaffees viel Zeit und Aufmerksamkeit schenken kann.

Die große Expertise und Leidenschaft für den Kaffee von Michi Eckel verbreitet sich durch den gesamten Raum und er vermittelt nicht nur hingebungsvoll, wie und wo die Kaffeepflanzen wachsen und angebaut werden, sondern führt allen am Ende des Seminars sogar eine beeindruckende Liveröstung vor. Dabei wird die Teilnehmerschaft aktiv mit eingebunden und darf die Trommel mit den zu Beginn hellen Kaffeebohnen über dem offenen Feuer in gemäßigtem Tempo gleichmäßig drehen. Und es ist frappierend zu sehen, dass, wenn erst einmal die Feuchtigkeit aus den Kaffeebohnen entwichen ist und bereits die ersten Röstaromen zu erschnuppern sind, es sehr schnell geht, dass unterschiedliche Intensitäten der Kaffeebohnen erreicht werden, von deren köstlichen Geschmack sich alle bei der anschließenden Verkostung unverzüglich überzeugen dürfen.

Schließt die Kaffeerösterei übrigens regulär um 17.00 Uhr, gibt es für alle Kursteilnehmer am Ende des Kurses noch ein ganz besonderes Schmankerl. Alle, die schon als Kind davon geträumt haben, einmal nach den offiziellen Ladenöffnungszeiten in einem Geschäft ganz allein zu sein und aus dem Sortiment in aller Ruh nach Herzenslust auswählen zu können, werden mit diesem Shoppingerlebnis am frühen Abend belohnt werden.

Herzlichen Dank für diesen so überaus inspirierenden und lehrreichen Kurs. Gerade für die „Sensorik-und Brühen&Malen“-Kurse kommen die Professionellen ebenso wie begeisterte Urlauberinnen und Urlauber und Interessierte aus dem näheren oder ferneren Umland, sowie übrigens auch aus ganz Europa, findet man dieses breitgefächerte Angebot in einer solch hohen Qualität im Gegensatz zu den fast schon inflationär gewordenen Baristakursen kaum woanders.

Von einer nicht so hohen internationalen Bedeutung, aber als Abschluss nach dem „Kaffeegeheimnis“-Kurs sehr abwechslungsreich, erwies sich die just an diesem Freitag stattfindende Kulturnacht in Murnau, bei der unter anderem die katholische Kirche St.Nikolaus ein stimmungsvolles,meditatives Lichterlabyrinth mit einer Vielzahl echter Kerzen in der gesamten Kirche aufgebaut hatte. Durch dieses konnte man mit einer kleinen, brennenden Kerze ausgestattet, schreiten oder aber auch der Live-Musik lauschen, bei deren vorgeschlagenen Liedern zu meiner großen Freude fast ausschließlich lateinische Texte zugrunde lagen. Zudem ruhen auf dessen Friedhof zahlreiche Persönlichkeiten, darunter Gabriele Münter und Emanuel von Seidl. Und so wie die Kirche durch eine Fülle von Kerzenlichtern von einer großen Wärme erfüllt wurde, wird auch jede/r Teilnehmende/r mit einem großen inneren und äußeren Strahlen nach jedem Besuch der diversen Kaffeerösterei-Kurse nach Hause zurückkehren und sich dabei vielleicht schon auf den nächsten Kursinhalt freuen.

Zur Überbrückung der Wartezeit und für die Steigerung der Vorfreude darauf wird sich wohl nichts besser eignen als der Kauf von einem oder mehreren Päckchen der täglich in Murnau frisch gerösteten Kaffeebohnen. Und so steht man nur noch vor der schwierigen Entscheidung, ob man z.B.lieber einen sehr gefälligen Kaffee aus Indien, einen fruchtigen aus Äthiopien oder aber auch einen peruanischen Kaffee nimmt, bei dem die Aromen von Nuss und Schokolade dominieren. Mit Sicherheit wird es die beste Entscheidung von zahlreichen Sorten ein Packerl zu erwerben, so wie es der Leiter der Kaffee-Academy erzählt hat, der jeden Tag im Keller zwischen bis zu zehn verschiedenen Kaffeebohnen auswählen kann.




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