Judenhass -Ein Virus, das die Welt umspannt von Martin Haidinger aus dem Ueberreuter-Verlag

Gerade zur Herbstzeit hin – und in München spätestens durch die Wiesn eingeläutet – schnupft und schnieft gefühlt fast ein jede/r durch die Gegend. Erweisen sich diese Erkältungsviren als ärgerlich und lästig, aber so gut wie nie als gefährlich und bedrohlich, stellt sich das Virus im figurativen Sinn, das den Untertitel des ganz aktuell im Ueberreuter-Verlag erschienenen Werkes bildet, völlig anders und absolut bedrohlich dar. Wie sehr hatte man nach dem Nationalsozialismus und den unbeschreiblichen Gräueltaten inständig gehofft, dass nie mehr Vertreterinnen und Vertreter welcher Glaubensrichtung auch immer in irgendeiner Weise in ihren Grund- und Freiheitsrechten eingeschränkt werden, hat sich doch in den letzten Jahren auch die weltpolitische Lage diesbezüglich dramatisch verändert.

In dem Buch „Judenhass -Ein Virus, das die Welt umspannt“ stellt Martin Haidinger -ein renommierter Wiener Historiker und Journalist – auf über 200 Seiten berührende Biografien und Geschichten verschiedenster Persönlichkeiten vor und zieht konkludente Verbindungen zwischen ganz unterschiedlichen Zeiten und Orten. Dabei liest man auch immer wieder Originalzitate von Zeitzeugen. Zudem erhält man einen umfassenden Überblick über die Geschichte und Stellung des Judentums vom Mittelalter bis in unsere heutige Zeit. Wie bereits im Vorwort eindrücklich geschildert, verlangt dieses Buch „unsere volle Aufmerksamkeit“. Und es wird seinem Anspruch absolut gerecht, wenn es gegenüber den entsetzlichen antisemitischen Taten für weit mehr als Empörung, sondern für wahrhafte Erkenntnis in den diversen Bereichen sorgen möchte.

Das Buch ist äußerst packend und berührend geschrieben und glänzt unter anderem dadurch, dass es keine vorgefertigte Theorie präsentiert, sondern umfassende, präzise Beobachtungen schildert, dank derer sich die Leserschaft ein detailliertes und vielschichtiges eigenes Bild machen kann. Es ist eines der wenigen Werke, das der Leserschaft nach der Lektüre keine zu rekapitulierenden Theorien hinterlässt, sondern dafür sorgt, dass es zu einem Perspektivwechsel und echten Erkenntnisgewinnen kommen wird, welche für ein verändertes Menschenbild bei so vielen sorgen wird. Das Buch stellt außerdem eine hervorragende Basis für alle Debatten rund um Israel und neue Formen des Judenhasses dar.

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