
Allein die Biographie der Autorin ist alles andere als gewöhnlich, wenn man erfährt, dass die gebürtige Nigerianerin die nicht sehr häufige Kombination als Schriftstellerin sowie Juristin bekleidet und zudem gerade in englischer Literatur an der University of Virginia promoviert. Genauso besonders präsentiert sich nun auch der ganz aktuelle Roman „Die Stimmen der Nacht“, der in Lagos – dies ist die größte Stadt Nigerias -in den 1960er Jahren spielt und von der Beziehung der selbstbewussten Margaret mit dem in Großbritannien geborenen Benjamin erzählt. Dass die beiden weit mehr als nigerianisches Blut gemeinsam haben, entwickelt sich im Laufe des Romans immer deutlicher. In ihrem Debütroman gelingt es der Autorin meisterhaft, Vergangenes mit Gegenwärtigem zu verbinden und dabei gleichzeitig ebenso stringent wie frappierend die Leserschaft in ihren Bann zu ziehen. Dabei spielt der Roman auf vielen verschiedenen Erzählebenen, welche solch unterschiedliche Themen wie Schuld in all ihren einzelnen Facetten, Glaube oder aber auch die Suche nach der kulturellen Identität in den Vordergrund rücken. Gleich im ersten Kapitel taucht man mitten in das Geschehen ein und man erlebt alles aus der Sichtweise des mittlerweile 67-jährigen Benjamins, der im Jahre 2005 seiner Erinnerung an prägende Erlebnisse 40 Jahre zuvor freien Lauf lässt. Der Autorin gelingt es bravourös, ein sehr atmosphärisch dichtes Geschehen zu entwickeln. Jedes Kapitel trägt sowohl eine Überschrift mit Namen als auch mit einem Ort und einer Jahreszahl versehen, so dass man sofort in Kenntnis gesetzt wird, aus welcher Perspektive gerade erzählt wird. Dies hilft der Leserschaft den Überblick über die erzählte Zeitspanne zu bewahren, gibt es doch sowohl Kapitel über die Ahnen, welche sogar bis in das Ende des 19. Jahrhunderts zurückreichen, als auch Geschehnisse im ganz aktuellen Jahr, das als das Jahr 2005 nicht nur den zeitlichen Rahmen für den Beginn sowie das Endes dieses fesselnden Romas bildet, sondern zugleich die markante Spanne über eines ganzen Jahrhunderts umfasst.

Sehr reizvoll an diesem Riman ist außerdem, dass man dank des Settings und der in Nigeria geborenen Schriftstellerin sehr viel Faszinierendes über dieses afrikanische Land erfährt, mit dem wohl viele von uns zuvor kaum in Berührung gekommen sein werden. Spannend und überaus gelungen ist zudem, wie die einzelnen Erzählebenen von Vergangenheit und Gegenwart wie ein Teppich im Webstuhl miteinander verwoben werden, so dass man wie bei einem Webschiffchen stets von links (der Vergangenheit) bis zum rechten Rand (der Gegenwart) des Webrahmens und wieder zurück in die Erzählung der Vergangenheit gleitet. Durch die kunstvolle Verflechtung der Gegenwart mit der Vergangenheit sowie die ständigen Wechsel der Erzählperspektiven ist man immer wieder sehr gespannt, wie sich die einzelnen Episoden weiterentwickeln werden.

Auf der einen Seite kommt man durch diesen Roman mit vielen nigerianischen Traditionen und Gepflogenheiten in den Kontakt, auf der anderen Seite erlebt man hautnah mit, wie universell und erschreckend sich psychische Erkrankungen wie in diesem Fall eine Schizophrenie in jedem Land und in jedem Beziehungsstatus entwickeln können und dass auch heutzutage immer wieder der Glaube vorhanden ist, verflucht worden zu sein, wenn man von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Insgesamt stellt dieses Romandebüt ein ausgesprochen gelungenes Werk dar, das sorgsam konzipiert und auch höchst kompetent in die deutsche Sprache von Agnes Krup übertragen worden ist. So ziehen sich gewisse Andeutungen und auch z.B. der beruhigende Aussprich von Benjamin: „Es ist alles gut. Es wird alles gut werden, Maggie.“ durch das gesamte Buch. Und es sind in diesem so viele wertvolle und berührende Emotionen enthalten, dass es wohl immer wieder im Laufe der Lektüre passieren kann, dass beim Lesen einige Tränen der Rührung fließen.




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