
Auch wenn der Obertitel dieses ganz aktuell im Gmeiner-Verlag erschienenen Romans mit „Das Glück schmeckt nach Meer“ nicht unbedingt sehr originell ist, bietet dieser ein großes Lesevergnügen. So ist bereits die Grundkonstellation reizvoll, wenn man erfährt, dass die Mitte 40-jährige Annika, die an einem einzigen Tag ihre Arbeit als Eventmanagerin und die Wohnung verloren hat, völlig unerwartet von einer unbekannten Tante als Alleinerbin eingesetzt wurde. Allerdings ist an das Erbe die Bedingung geknüpft, dass sie an einen kleinen Ort an der Schlei ziehen muss, um dort die alteingesessene Bonbonkocherei weiterzuführen. Ein/e jede/r wird wohl mit dieser Situation anders umgehen und mit Sicherheit würden nicht alle einen völligen Neuanfang wagen. Jedoch ist es äußerst interessant und packend zu lesen, wie erfolgreich die Bonbonkocherei durch das Wirken Annikas wird, die für jeden immer ganz besondere Bonbons bereithält.
Wer so viel stets verteilt, muss natürlich auch ein wenig selbst verwöhnt werden. Und so braucht es einige Zeit, bis die mutige und herzensgute Frau gelernt hat, was ihr Herz selbst zum Leuchten bringt. Dabei darf selbstverständlich auch die Liebe nicht zu kurz kommen und man freut sich mit ihr mit, wenn man liest, wie engagiert sie der alte Seemann Lars in die Kunst des Bonbonkochens einführt oder auch wie Ole – zumindest zu Beginn – Annikas Herz deutlich schneller schlagen lässt. Dieses Buch ist ein Mutmacher auch für Menschen in persönlich, schwierigen Zeiten und zeigt eindrucksvoll, dass es nur begrenzt hilfreich ist, Pläne für ein weiteres Leben all zu starr zu schmieden. Oft ist es wesentlich erfüllender und sorgen- sowie stressfreier „einfach“ seinem Schicksal zu vertrauen.

Der Autorin gelingt es beeindruckend, regelrechte Psychogramme der Protagonisten nachzuzeichnen, so dass man sich perfekt in alle diese hineinversetzen kann. Und die Realisierung solch tröstender Gedanken, wie man sie z.B. auf der Seite 555 findet: „Hab etwas Geduld und vertraue deinem Schicksal!“, zieht sich durch das gesamte Werk wie ein roter Faden. Der Plot ist bedacht konstruiert und es macht Freude, dass man im Verlauf der Lektüre immer wieder eigene kreative Geschichten entwickeln oder aber auch verifizieren kann, ob man aufgrund gewisser Andeutungen im Buch für den Fortlauf der Geschichte die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat.
Das Buch verströmt eine große Herzenswärme und zeigt auf, wie kraftvoll und tröstend Familienbande sein können, gerade auch, wenn die Beziehungen zu einzelnen der Familienmitglieder alles andere als harmonisch verliefen. So ist es wunderbar zu wissen, dass dieser Wohlfühlroman der Auftakt einer ganz neuen Reihe sein soll, so dass man sich bereits schon jetzt auf den nächsten freuen kann. Dieser spielt dann sogar an einem für mich persönlich noch attraktiveren Ort, nämlich einer Kaffeerösterei.

Und so hoffe ich auf zahlreiche weitere Romane und hätte als reizvolle Lokalitäten z.B. noch die folgenden vorzuschlagen: „Das Wollgeschäft“, „Der Ostfriesenteeladen“; „Das Schokolädchen“, „Die Keksbäckerei“ oder auch „Die Käserei“. Und als Obertitel könnte man sich vielleicht überlegen, ob auch so etwas wie „Vertraue dem Meer“ oder aber auch „Meer geht immer?“ die Zweideutigkeit dieses Homonyms auch wiedergeben würde?




Schreibe einen Kommentar