
Bereits beim allerersten Aufschlagen des ganz aktuell im Fischer-Verlag erschienenen Romans von Daniel Speck hegte ich große Sympathien für das Buch, da ich viele Gemeinsamkeiten mit meinem Leben entdeckte. So findet z.B. die Flucht von Valeria genau in meinem Geburtsjahr statt oder diese fährt mit ihrem Soh in die Maremma, von wo aus wir unseren damaligen Hund, einen echten Maremmano-Hund, gerettet haben. Das Vorwort von Daniel Speck erinnert mich ein wenig an die Tatsachenromane von Hera Lind. Als kleines Detail finde ich es sehr ansprechend, dass es ein farblich optimal passendes gelbes Lesebändchen gibt. Ich liebe Bücher, bei denen jedes Kapitel mit einem Zitat überschrieben ist, wie dies in diesem Wälzer gleich beim ersten Kapitel der Fall ist. Wunderbar für mich als Lateinlehrerin war es zudem von der Prüfungssituation im Lateinischen von Valerias Sohn, Tonino, zu lesen.

Ebenfalls sehr positiv zu vermerken ist, dass man gleich auf der Seite 12 erfährt, woher der Name des Romans kommt. Zudem gefällt mir die gesamte Handlungskonstellation sehr gut und ich konnte mich sofort in Valerias Beruf hineinversetzen, die als Journalistin beim Corriere della sera arbeitet. Dies ist die Zeitung, mit der ich dank meines Vaters ebenfalls groß geworden in. Das Vermitteln eines echten italienischen Lebensgefühls wird durch das Einstreuen italienischer Ausdrücke und Sätze, die deutlich über „tutto bene“ mit Ausdrücken wie „Porca vacca“, „Ci stai, amico?“, „bianchetto“ oder auch „una bella coppia“ intensiviert. Der etwa 600 Seiten umfassende Roman erzählt eindrucksvoll die Familiensaga rund um die Familie Rivolta und der äußerst bewegten und öfters auch sehr dramatischen, damit verbundenen Firmengeschichte.

Die Handlung ist auf viele verschiedenen Erzählebenen ausgelegt, welche sich erst nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Während der zweite Teil des Romans ein deutlich schnelleres Erzähltempo aufweist und man gespannt auf jede neue Entwicklung bei den einzelnen Protagonisten und Protagonistinnen ist, wirken einige Erzählpassagen in der ersten Buchhälfte zu langatmig, so dass es wünschenswert gewesen wäre, diese ein wenig zu straffen. Insgesamt ist jedoch mit Sicherheit dieses neueste Werk von Daniel Speck sehr gelungen und bietet ein großes und – dank des Umfangs – auch sehr langes – Lesevergnügen.

Das Werk übt mit Sicherheit auch deshalb eine große Faszination aus, da man die Charaktere über so viele Jahrzehnte in all ihren Entwicklungen, Freuden, Sorgen und Nöten begleiten darf.




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