Überreste von Daryll Delgado aus dem Kröner-Verlag

Überreste: bei diesem Stichwort mag man wohl als Archäologe vielleicht an antike Ausgrabungsstätten denken oder als Kriminologe auch an Kapitalverbrechen. Der von Gabriele Haefs übersetzte Roman, den Daryll Delgado verfasst hat, widmet sich den „Überresten“ in äußerst vielschichtigen Facetten. Auf knapp 300 Seiten wird die Leserschaft von der ersten Seite an in den Bann gezogen und folgt der Protagonistin Ann auf all ihren Irrungen und Wirrungen, nachdem sie von einer NGO beauftragt worden ist, in ihre Heimatstadt zurückzukehren, da diese von einem Super-Taifun heimgesucht worden war.

Dieses Buch ist äußerst packend von der Philippinerin Daryll Delgado verfasst worden, welche bereits mit mehreren Schreibpreisen in den vergangenen Jahren ausgezeichnet worden ist. Dank der sehr eingängigen deutschen Übersetzung von Gabriele Haefs ist es mit dieser im Kröner-Verlag ganz neu erschienenen Ausgabe nun auch jeder/m, welche/r nicht die Originalfassung in philippinischem Englisch lesen kann/will, möglich, sich von diesem packenden Roman mitreißen zu lassen.

In dem gesamten Werk wird immer wieder deutlich spürbar, dass die Erzählung von einer Einheimischen verfasst wurde, welche beeindruckend authentisch und alltagsnah sowie mit einer großen Ortskenntnis die Leserschaft die Geschehnisse erleben lässt. Zudem sorgen auch die Schilderungen der politischen Verhältnisse während der Kindheit der Protagonistin für zahlreiche Gänsehautmomente. Dass dieser Roman quasi ein ergreifender Tatsachenroman ist, beweisen nicht zuletzt die sieben kunstvoll integrierten Originalinterviews, die eindrucksvoll vor Augen führen, welch katastrophale Auswirkungen die zerstörerischen Naturgewalten anrichten können, aber, dass gleichzeitig jeder Schmerz und jeder Verlust auch die Chance auf einen (besseren) Neuanfang sein kann.

Das Thema des Super-Taifuns als ein Symptom der dramatischen Klimakrise ist nicht nur leider ein höchst aktuelles und brisantes für die gesamte Welt. Zudem sind in diesem Jahr die Philippinen das Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse. Wie könnte dieser Inselstaat, in dessen Mittelpunkt die Vielfalt steht, besser als durch dieses vielschichtige und mitreißende Buch repräsentiert werden?

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