750 Meter Glück von Sarah Tischer aus dem 8 grad-Verlag

Wer kennt das wohl nicht? Nach einem unbefriedigenden Arbeitstag, welcher deutlich an den Nerven gezerrt, aber keinen erkennbaren Erfolg gebracht hat, dieses Hadern und die Generalisierung auf die gesamte Berufstätigkeit: „Bin ich hier richtig? Oder sollte ich eigentlich etwas ganz anderes machen?“ Während ich glücklicherweise nie ernsthaft an der Sinnhaftigkeit meines Berufs und gleichzeitig meiner Berufung zweifle, auch wenn ich gerade diese Woche des Öfteren an den (fehlenden) Lateinkenntnissen meiner Unterstufenschülerinnen und -schüler verzweifelt bin, werden sich mit Sicherheit viele immer wieder in einer mehr oder weniger großen Sinnkrise bezüglich des Broterwerbs befinden.

Dass es nichts Besseres gibt, als seinem tiefsten inneren Bestreben zu folgen, auch wenn dies konträr zu den gesellschaftlichen Erwartungen ist, zeigt das im 8 grad-Verlag ganz neu erschienene Memoir der Autorin Sarah Tischer, die in Überlingen am Bodensee aufgewachsen ist und ein VWL-Studium in München und Barcelona absolvierte, bevor sie in Zürich in der Versicherungsbranche arbeitete. Bereits im jungen Alter von Mitte Zwanzig und zu Beginn einer vielversprechenden Karriere in der Schweizer Finanzwelt, spürte sie sehr rasch, dass sie sich mit dem dort herrschenden Werte- und Normensystem nicht identifizieren kann. Nach einer zweimonatigen Auszeit auf dem Jakobsweg verwirklicht sich die Marathonläuferin ihren Traum und baut sich ein komplett entgegengesetztes naturnahes Leben im Schwarzwald auf.

In diesem Memoir erzählt die Autorin auf über 305 Seiten von all ihren Höhen und Tiefen, zahlreichen sie prägenden Begegnungen mit wichtigen Menschen sowie ihren einzelnen Stationen ihres jungen Erwachsenenlebens, von dem Leben und Arbeiten in der Schweiz über den Jakobsweg bis hin zu ihrem solch völlig anderen Leben im Schwarzwald. Das Buch ist in dem so beliebten Memoirstil gehalten und von der ersten Seite mitreißend zu lesen. Dank eines integrierten Lesebändchens und der Hardcoverbindung bietet es auch optisch ein großes Vergnügen. Sehr sympathisch wirken bei dieser Erzählung zudem die vielen Über- und Unterschriften, so dass man stets auf einen Blick weiß, wo man sich gerade in der Erzählung befindet.

Die Gedanken hinter dem wunderbaren Schlusssatz ihres Buches „Wir haben nichts mehr zu verlieren als dieses Leben auf der Erde. Irgendwann werden wir es verlieren. Die Frage ist, wofür wir unsere Zeit und unsere Energie eingesetzt haben.“ ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk, das nicht nur äußerst unterhaltsam zu lesen ist, sondern gleichzeitig eine großartige Inspirationsquelle für Menschen aller Altersstufen darstellt.

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