Weihnachten im alten München von Cornelia Oelwein aus dem Battenberg-Verlag

Übt die Weihnachtszeit ohnehin schon eine große Faszination aus, wird diese noch gesteigert, wenn man von zahlreichen Advents- und Weihnachtstraditionen in München und der Umgebung aus dem 19. Und 20. Jahrhundert liest. Es ist ein großes Vergnügen, dass nun im Battenberg-Verlag ganz aktuell der lang vergriffene Klassiker „Weihnachten im alten München“ von Cornelia Oelwein in einer völlig neu überarbeiteten Fassung erschienen ist. Dieses Buch ist ein besonderes Juwel, erhält man nicht nur einen detaillierten Einblick über die damaligen Feiergewohnheiten in der Advents- und Weihnachtszeit, sondern taucht ebenfalls tief in den damaligen Zeitgeist ein, wenn man immer wieder Berichte von den jeweiligen Zeitzeugen vor Augen geführt bekommt. Dabei hat die Autorin Cornelia Oelwein unwahrscheinlich umfassend recherchiert und belegt alles mit wissenschaftlich fundierten Anmerkungen.

Alle, welche sich in einen oder mehrere Themenbereiche noch intensiver einarbeiten möchten, finden zudem ein umfassendes Literaturverzeichnis am Ende dieses einzigartigen Buchs. Auch wenn man sich alle Kapitel mehrmals zu Gemüte führt, wird man bei der Lektüre stets noch etwas Neues entdecken. Hierbei erfährt man gleichermaßen sehr viel über die Advents- und Weihnachtstraditionen, welche im Adel und Bürgertum vorherrschten, als auch über die eher in den Vororten verankerten bäuerlichen Bräuche. Stimmungsvolle Abbildungen und Fotos illustrieren höchst anschaulich das Geschriebene und wenn man sich dem letzten großen Kapitel „Etwas Gutes zu Weihnachten“ widmet, steigt einem unverzüglich der betörende Duft von Lebkuchen und Maroni in die Nase.

Zudem lernt man auch einiges neues Kulinarisches kennen. Wer hätte z.B. vor der Lektüre etwas mit dem Begriff von Tragant anfangen können oder hat vor seinem geistigen Auge noch genau die phänotypische Erscheinung eines so typischen münchnerischen Zwetschgenmanderls? Zu meiner großen Freude findet übrigens auch bei der Vorstellung der so langen Tradition der Lebkuchen mein sehr geschätzter römischer Dichter Vergil Einzug in dieses Werk. Und wer schon immer wissen wollte, wie der Christbaum seinen Weg nach München gefunden hat, dessen Wissensdurst wird ebenso zuverlässig gestillt wie die Neugier, mit welchen Präsenten König Ludwig I. seine Familie überraschte. Wenn ich mich für ein einziges Weihnachts- und Adventsbuch entscheiden müsste, würde meine Wahl, ohne auch nur eine Minute zu zögern,  auf dieses so umfassende und liebevoll gestaltete Werk fallen.

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