
Existiert der Begriff der Rabenmütter im figurativen Sinne ausschließlich im deutschen Sprachgebrauch, gibt es schon sehr lange und bei weitem nicht nur in Deutschland über das ideale Rollenbild der Mutter, das sich stets im Wandel der Zeit befindet, mehr oder weniger hitzige Debatten. Nun ist ganz aktuell im Piper-Verlag das Werk „Gute Mütter, schlechte Mütter“ erschienen, indem die Autorin Franca Lehfeldt auf facettenreiche Weise die Verteidigung der Entscheidungsfreiheit von Frauen erläutert. Dabei gelingt es der Journalsitin und SpiegelBestseller-Autorin hervorragend, sowohl aus ihren eigenen Erfahrungen als verheirateter Mutter einer einjährigen Tochter zu schöpfen als auch historische Analysen und soziologische Forschung aufzuführen.

Zudem wirkt das Buch sehr lebhaft, da man in diesem auch Expertengespräche mit z.B. einer Reproduktionsmedizinerin, einem Professor, welcher die Klinik für Geburtsmedizin leitet oder aber auch mit der französischen Professorin Badinter und vielen weiteren vorfindet. Durch die so zahlreichen und tiefgründigen Interviews mit den unterschiedlichsten Expertinnen und Experten gewinnt das Buch nicht nur durch eine Fülle an Perspektiven, sondern gibt zudem in die unterschiedlichsten Bereiche rund um die Mutterschaft, das Stillen sowie der modernen Reproduktionsmedizin und der finanziellen Unabhängigkeit der Frauen einen umfassenden Überblick. Alle Interviews eint, dass sie nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern sich ausgiebig mit dem jeweiligen Thema beschäftigen.

In jedem Kapitel wird man mit Sicherheit viel Neues erfahren, so z.B. auch, dass die französischen Mütter die deutschen häufig als Pelikanmütter bezeichnen oder aber auch, was man genau unter dem Begriff der „fertility benefits“ oder auch „mother blame“ zu verstehen hat. Unterfüttert ist das Werk mit zahlreichen persönlichen Anekdoten der mittlerweile 37-jährigen Autorin sowohl aus der Zeit ihrer Kindheit als auch aus ihrer eigenen Schwangerschaft und dem Leben mit einem Kleinkind. Außerdem bietet das „Fazit“ am Ende aller neun Kapitel ein knackiges Résumé, dank dem man stets eine hervorragende Rekapitulation des jeweils aktuellen Inhalts erhält. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch von möglichst viele Frauen – und selbstverständlich auch Männern – aller Altersgruppen gelesen wird, um bei der Bevölkerung für eine große Toleranz zu sorgen, in dem Bewusstsein, dass es viele, völlig unterschiedliche Lebensmodelle gibt, welche für die jeweiligen Frauen und deren Familien am besten geeignet sind. Diese fungieren jedoch nie als Leitbild für ein allgemeingültiges Ideal bezüglich der Ausübung der Mutterschaft, sondern sind stets als Lebensentwürfe zu betrachten, welche ohne irgendeine Wertung alle ihre Berechtigung haben und nebeneinander existieren dürfen.




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