
Hatte ich mich bereits auf das einzige Kursangebot, das es während unseres Wochenendes gab – unter der Woche werden deutlich mehr sportliche Aktivitäten veranstaltet- in Form einer Klangschalenmeditation gefreut, musste ich beim Eintreffen in dem entsprechenden Raum enttäuscht feststellen, dass diese aufgrund von Krankheit ausfiel. Umso mehr freute ich mich, dass ganz kurzfristig eine Stunde später eine Muskelrelaxationsstunde nach Jacobson angeboten wurde, welche von einer sympathischen Dame liebenswürdigerweise auch tatsächlich abgehalten wurde, obwohl ich die einzige Teilnehmerin war. Und das Entspannungstraining ging nahtlos weiter, als wir in das Thermalwasser eintauchten.

Ist das Schwimmen sowieso die einzige Bewegung- und Daseinsform, bei der ich – wenigstens meistens – keine Schmerzen habe, gibt es im Mühlbach noch als besonderes Highlight ein explizit heilendes Wasser in Form des Thermalwassers, das aus 1000 Meter Tiefe immer wieder frisch in die verschiedenen Schwimmbecken strömt. Ich hatte selten dieses Heilwasser in dem letzten knappen Jahr nach den Fußoperationen nötiger als just an diesem Wochenende, vor dem ich unglücklicherweise die nächste niederschmetternde Diagnose in Form des morbus Sudeck erhalten hatte, der eine Erklärung für das Nichtzusammenwachsen der Knochen bietet und typischerweise bei Frauen entsteht, welche jahre-/jahrzehntelang unter starken Schmerzen leiden und zudem familiär oder beruflich permanent allzu sehr eingespannt sind..

Vom blubbernden Thermalwasser in luftiger Höhe in Bayerns höchstgelegenem Thermalwasserpool umgeben zu sein, stellten wir uns als ein besonderes Highlight vor. Allerdings sollte dieses Vergnügen erst einmal an der dafür nötigen manuellen Auslösung scheitern. Hatten wir geduldig aller ersichtlichen Knöpfe ausgekundschaftet und gedrückt, tat sich blasenmäßig rein gar nichts, das Poolwasser blieb glatt wie ein Babypo. Mehreren anderen Wasserfreudigen ging es just genauso wie uns, bis wir plötzlich gerade von einem Saunagang kommend, mit großem Erstaunen zwei Pärchen entdeckten, die genüsslich auf den Massageliegen ausgestreckt waren und von allen Richtungen mit Thermalwasser umsprudelt wurden.

Auf unsere überraschte Frage, wie sie das denn geschafft hätten, konstatierten sie: „Das haben uns vorher auch schon einige gefragt. Ihr müsst einfach nur ganz fest drücken.“ Und so kamen wir tatsächlich schließlich auch noch in den vollen Sprudelgenuss mit einer spektakulären Aussicht als Sahnehäubchen. Weniger dauerhaften Erfolg hatten wir übrigens in der so schön gestalteten Infrarotkabine, welche zwar ästhetisch eine Augenweide war, jedoch sich nur einer der vier Sitze standesgemäß erhitzte. Als wir dies der Rezeption vermeldeten, schien diese das Problem nicht recht ernst zu nehmen. Am nächsten Tag erwärmte sich nach wie vor nur ein Sitz, ohne dass z.B. ein Hinweisschild auf das aktuelle Nichtfunktionieren zu finden gewesen wäre.

Das Mühlbach wartet übrigens noch mit einem zweiten Superlativ in Form von Bayerns längstem Thermalseepool auf, in dem man vorzüglich schwimmen und jederzeit in den diesen umgebenden Naturbadesee, z.B. auch nach der Sauna -allerdings wieder mit Schwimmkleidung ausgestattet – schwimmen kann. Es gibt einige Sachen/Phänomene, von denen ich selten genug bekommen kann. Dazu zählen die Genussmittel Schokolade und Kaffee für den leiblichen Genuss sowie das Wasser und Meer im Allgemeinen und nicht zuletzt Sonnenuntergänge für die seelische Ausgeglichenheit und natürlich auch für den ästhetischen Sinn. Während es an und auf dem Meer oft ein Leichtes ist, dem schrittweisen Versinken des lebensspendenden Feuerballs in den Horizont zuzusehen, gestaltet sich dies an Land häufig wesentlich schwieriger. So verhindert nicht nur schlechtes Wetter die Sicht, sondern auch eine dichte Bebauung oder aber Berge.

Die Lage des Mühlbach-Hotels in der Pockinger Heide verfügt aufgrund der großen, flachen Weitläufigkeit im Prinzip schon einmal für gute Bedingungen. Nun hatte ich mir als idealen Fotospot den Skythermalpool im vierten Stock auserkoren, bei dem einzig das Problem bestand, dass die Schließzeiten desselbigen bereits deutlich vor dem Sonnenuntergang zur Mittsommerszeit stattfinden. Als ich einen der lieben Servicemitarbeiter fragte, ob wir uns vielleicht noch länger wegen der Sonnenuntergangsfotos auf der Skyterrasse aufhalten könnten, verneinte er zunächst. So fragte ich ihn, ob er glaubt, dass ich von der Wiese direkt neben dem Hotel – kann ich ja mit dem Gehgipsersatzschuh und den Krücken keine weiten Strecken zurücklegen – schöne Sonnenuntergangsfotos schießen könne.

Kurz darauf kam er ganz überraschend zurück und erklärte uns: „Also, das würde ich jetzt jungen Leuten nicht verraten, die würden sonst dort Partys machen, aber Sie können ….“. Das werde ich natürlich nun auch nicht im öffentlichen Raum preisgeben. Auf alle Fälle gereichte uns der Alters- und mein Invalidenstatus, mit dem ich sonst mehr als oft zu kämpfen habe -Stichwort, z.B. die Frage beim Mittagessen an unsere Zwillingssöhne in der fünften Klasse: „Wie alt war denn ungefähr die Vertretungslehrerin von euch?“ „Sehr alt, Mama.“ Als ich um eine Konkretisierung bitte: „Etwa so alt wie du.“ …, ausnahmsweise zum Vorteil, so dass diese stimmungsvollen Sonnenuntergangsfotos entstanden.

Genauso vielfältig wie das Wellnessangebot, zeigt sich auch die kulinarische Vielfalt im Mühlbach, wenn man bereits in den Tag mit einem frisch gepressten Karottenapfelsellerieingwersaft starten kann – und das dank eines ausgesprochen leistungsstarken und störungsunanfälligen Gemüseentsafters -, bevor man sich allen erdenklichen Aufstrichen, Wurst, Käse, frisch zubereiteten Eierspeisen und Brotspezialitäten wie auch süßem Gebäck und einigem mehr widmen kann. Das Lunchbüffet bietet zudem den großen Vorteil, dass man sich im Zeitraum von 12.30 – 15.30 Uhr jederzeit an den herzhaften und süßen Köstlichkeiten in Form von Salaten, einer Suppe, leichten Hauptgerichten sowie Kuchen und dem legendären Apfelstrudel bedienen kann.

Am Heilsteintepidarium ist nicht nur der lateinische Name reizvoll, sondern es ist ausgesprochen wohltuend und faszinierend, sich auf die wohlig warm temperierten Liegen legen zu dürfen und zu wählen, welche Wirkung der Heilsteine man am liebsten möchte. Bei mir fiel die Wahl sofort auf die Amethystliege, sorgt diese doch unter anderem für die Lösung von Verspannungen und Schmerzen. Daneben gibt es auch noch eine Rosenquarz-, Bergkristall-, Jade- und Karneolliege. Unabhängig davon, für welche der Heilsteine man sich entscheidet, nimmt man mit jedem Atemzug wertvolle Minerale aufgrund der verdampften Sole auf.

Sorgt der Amethyst unter anderem auch für einen klaren Geist, hilft die Gesamtatmosphäre im Mühlbach sehr beim Abschalten. Und so schläft man z.B. begleitet von angenehmen Froschquackgeräuschen ein und hört morgens einzig ein unaufdringliches Hahnenkrähen. Die Bandbreite des Gästepublikums ist bunt gemischt: von Freundinnengruppen über einige junge Familien und Paare bis hin zu älteren Alleinreisenden oder auch Ehepaaren und gleich drei Genarationen auf einmal, die an einem großen Tisch beim Essen versammelt waren. So finden sich die unterschiedlichsten Konstellationen.

Leide ich ja aufgrund der Immobilität mit den Krücken sehr, ständig den Aufzug ganz entgegen meiner Gewohnheiten benutzen zu müssen, war ich umso positiver überrascht, als mir eine jüngere Frau den Grund ihres Aufenthalts erläuterte. War diese doch mit ihrem Ehemann aus Berlin aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in einem Aufzugsunternehmen zu einer Festveranstaltung diverser Liftfirmen im nahegelegenen Österreich eingeladen und hatte dies gleich mit einem Kurzaufenthalt in Bad Füssing kombiniert. So habe ich mich ausnahmsweise wirklich ziemlich sicher in dem mir so unliebsamen Aufzug gefühlt…

Ebenso trifft man auch gerade ältere Gäste an, welche jeden Tag noch Kuranwendungen in Anspruch nehmen und merklich von den Vorteilen des Thermalwassers, das sich in allen Innen- und Außenpools befindet, profitieren. Dabei ist ein ganz besonderes Highlight der Skyspa, in dem man nachmittags auch diverse Aufgüsse in der Event- und Biosauna erleben darf. Dabei ist besonders der Klangschalenaufguss hervorzuheben – ein meditativer Aufguss, bei dem man die heilsame Wirkung der Klangschalen erfährt und zusätzlich durch Atemübungen oder eine kleine Dankbarkeitsmeditation mehr zur Ruhe kommt.

Für das Auffüllen des verlorenen Körperwassers findet man im gesamten Hause verteilt nicht nur Wasser und Tee, sondern auch Hollunderblütensaft sowie reinen, zuckerfreien Zitronensaft vor. Das Mühlbach bietet nicht nur einen kulinarischen, physischen und psychischen, sondern zugleich auch einen ästhetischen Genuss, stellt es doch dank der Kooperation mit einer Münchner Privatsammlung zahlreiche Werke des zeitgenössischen Dachauer Künstlers Richard Wurm aus, welcher mit monumentalen Werken mit einer von ihm eigens als Crumbismus bezeichneten Kunstrichtung fasziniert. Zudem finden sich im Haus und im weitläufigen Garten immer wieder kleinere oder größere Kunstobjekte, welche liebevoll in Szene gesetzt sind.

Das Hotel, das seine Angebote stets erweitert, bietet so viele Attraktionen an, dass es auch bei einer guten Bettenauslastung nie überfüllt wirkt, da sich die Gäste hervorragend verteilen. So hat man die vielfältigen Wahlmöglichkeiten, ob man in einer der unteren Saunen schwitzen oder im großen oder kleinen Außen- oder Innenpool sowie im Naturbadeteich schwimmen möchte. In einem der zahlreichen Ruheräume lässt es sich herrlich entspannen. Ebenso kann man natürlich das vierte Obergeschoss mit einem grandiosen Weitblick und seinen unterschiedlichen Wellnessangeboten vorziehen, in dem sich zwei große Panoramasaunen mit riesigen Glasfenstern, ein Dampfbad sowie ein warmer Skypool befinden.

Vorteile:
- Außer in dem Naturbadesee schwimmt man in jedem der Innen- und Außenpools in ausgesprochen heilsamen Thermalwasser.
- Der Innenpool und das Tepidarium sind bis um 21.30 Uhr geöffnet
- Sehr ansprechendes und vielfältiges Lunch- und Kuchenbüffet von 12.30 -15.30 Uhr, bei dem man sich nach Herzenslust an allen süßen und herzhaften Speisen bedienen kann

Nachteile:
- Man hört immer wieder tagsüber das Rauschen vorbeifahrender Autos aus der Ferne




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