
Ein Buch, das mit einem Rilkegedicht eingeleitet wird, kann ja nur gut sein. Und tatsächlich ist dieses schmale Büchlein von 78 Seiten, das ganz aktuell im Dudenverlag erschienen ist, jeden einzelnen Satz mehr als wert. Und dann kommt noch das Kuriosum hinzu, dass ich mit dem Autor und Vater nicht nur eine große Namensähnlichkeit bezüglich meines Mädchennachnamens teile, sondern auch einen seiner Berufe, in Form der Gymnasiallehrerin, sowie die Vorliebe für den Philosophen Marc Aurel und Dante. All den Vorschusslorbeeren wird dieses Traktat mehr als gerecht. Allein den Ansatz, in diesen gesellschaftlich und geopolitisch so herausfordernden und oft auch ausgesprochen beängstigenden Zeiten einen Lösungsvorschlag zu sehen, in dem man das Besinnen auf so alte Kulturtechniken wie die des Lesens und Schreibens forciert, finde ich sehr beeindruckend und er entspricht voll und ganz meiner Überzeugung.

In fünf großen Kapiteln wird man in die faszinierenden unterschiedlichsten Gebiete rund um die Sprache in schriftlicher und mündlicher Form eingeführt. Diese sind folgendermaßen betitelt: „Die Kraft der Worte, Krisen der Kulturtechniken, Eine andere Haltung zur Sprache, Wege ins Leseglück und zum Schreibvergnügen und Wo fangen wir an?“. Dem Autor glückt es durchgehend, so prägnant, stringent und gleichzeitig unterhaltsam zu schreiben, dass man ihm genau diese „Superkräfte“ attribuieren kann, welche er bereits zu Beginn des Buches anpreist, wenn auf der Seite 10 zu lesen ist: „Es sind Superkräfte, mit denen jeder Mensch ausgestattet werden kann: Lesen und Schreiben.“ Bob Blume veröffentlicht gleichermaßen die neuesten, verschiedenen Forschungsergebnisse und zeigt dabei unter anderem eine erschreckend hohe Illiteralität gerade auch bei jungen Erwachsenen auf. Zudem berichtet er Anekdoten und Erfahrungen aus erster Hand mit seiner Schülerschaft und ebenfalls aus seinem weiteren Berufsleben. Außerdem darf man teilhaben an vielen anderen erhellenden Begegnungen, bei denen stets die Kommunikation eine zentrale Rolle spielt.

So wird hoffentlich jede Leserin/jeder Leser nach der Lektüre dieses faszinierenden „Manifests“ auch in seinem Freundes- und Bekanntenkreis der fundamentalen Wichtigkeit des Lesens und Schreibens einen höheren Stellenwert zuschreiben, so dass die Demokratiekonzepte und ein friedliches Miteinander im Kleinen wie im Großen gestärkt werden. Und dank dieses Büchleins bekommt man am Ende auch noch ganz konkrete Empfehlungen, wie man sowohl als Eltern oder Lehrer für die anvertrauten Kinder als auch als Erwachsener, der endlich wieder in einen Leseflow kommen möchte, sich ablenkungsfrei diesen so alten wie gleichermaßen immens wichtigen Kulturtechniken des Lesens und Schreibens inbrünstig widmen kann.




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