Cherbourg, Cité de la Mer, Clownsfische, Camouflage, Chronische Schmerzen, Coucher du soleil

Unser erster Landgang sollte von einigen Höhen, aber auch einem ganz großen Tiefpunkt, zumindest für mich geprägt sein. Auch wenn die Länder wechseln, bleiben meine starken Fußschmerzen leider gleich und so war ich bereits beim Frühstück ganz konsterniert, als meine Googlesuche für die  Entfernung des Kreuzfahrtterminals zur Cité de la Mer plötzlich drei Kilometer anzeigte, obwohl ich zu Hause noch ausgiebig recherchiert und mich sehr gefreut hatte festzustellen, dass dieses einzigartige Meeresmuseum ganz in der Nähe des Hafens liegt. Nach einigen völlig unnötigen Sorgen während des gesamten Frühstücks und danach war ich umso erleichterter, als wir feststellten, dass Google Maps völlig falsch lag und wir tatsächlich schnell zu Cherbourgs bekanntestem Museum, das im Jahr 2022 von den Franzosen sogar zum beliebtesten Kulturdenkmal des gesamten Landes gekürt worden war, gelangten.

Die Cité de la mer gliedert sich in drei große Teile: l’Océan du futur, Titanic und Sous-marin: le redoutable. Aufgrund einer sehr großen Schlange bereits am Vormittag vor der „Redoutable“ fingen wir mit dem Besuch des Aquariums an, das übrigens unter anderem auch das höchste Aquariums Europas mit einer Höhe von 11 Metern beherbergt, was uns allerdings wesentlich weniger beeindruckt hat als ganz besondere Meeresbewohner. So war unser Älterer am meisten fasziniert von den Seepferdchen, unser Jüngerer von dem sogenannten Steinfisch und ich von den unterschiedlichsten Quallen, welche mich durch eine ganz besondere Ästhetik und die so faszinierenden rhythmischen Saugbewegungen begeisterten.

Ohne einen ganz genauen Blick in das Aquarium des Steinfisches zu werfen, könnte man mit Fug und Recht von der völligen Abwesenheit eines dort lebenden Fisches ausgehen. Dem aufmerksamen Beobachter wird jedoch ein ganz besonderer „Stein“ mit Augen auffallen, welcher sich spätestens dann als Lebewesen entpuppt, wenn er für wenige Millimeter sein Maul öffnet, während sein gesamter Körper völlig regungslos auf dem Boden verharrt. Das Aquarium von Cherbourg hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Besuchern nicht nur eine sagenhaft bunte Fischwelt aus nah und fern, darunter auch die immer wieder sehr beliebten Clownfische, zu präsentieren, sondern dabei ebenso auf die absolut zentrale Bedeutung für die Natur und die Menschen der Ozeane hinzuweisen. So findet man immer wieder die sehr eindringlichen Sätze wie z.B.: „L’avenir de la Terre se joue en mer.“ Und man bekommt im Aquarium erstaunliche Forschungsergebnisse erläutert und erfährt, für welche medizinischen Therapien einige der Fische eingesetzt werden können.

So lernten wir, dass das Gift des Steinfisches, das dieser in seinen Rückenstacheln trägt, in einer schwachen Dosis ein hervorragendes Stimulans für das Herz sein könnte, wenn es denn gelänge, das Molekül zu stabilisieren. Außerdem erfuhren wir, dass sich der Oktopus nicht nur ausgesprochen grazil fortbewegt, sondern auch, dass er äußerst intelligent und ein wahrer Meister der Camouflage ist. Gerade die große Beweglichkeit seiner knochenlosen Arme bereichert die Forschung im Bereich der Innovation.

Nach der intensiven Beschäftigung mit diversen Meeresbewohnern schleppte ich mich zu dem zweiten großen Teil des weitläufigen Museums, der Ausstellung über das stets faszinierende und so tragische Schicksal der Titanic, welche unter anderem auch in Cherbourg am 10.4.1912 zahlreiche Gäste für ihre Jungfernfahrt aufnahm. Dank einer immersiven Show, von der ich nie ein großer Fan bin, welche jedoch immerhin ein Sitzen ermöglichte, wurden die letzten Tage der Titanic in den verschiedenen Einschiffungshäfen bis hin zu der verhängnisvollen Kollision mit dem Eisberg eindrucksvoll multimedial nachgezeichnet, so dass man mit dem beklemmendem Geräusch des am Eisberg zerschollenen Schifes und folgendem Zitat von Lao Tseu „Celui qui a inventé le bateau, a inventé le naufrage.“ in die weiteren Ausstellungsräume entlassen wurde.

Und so wie die Schiffsfahrt immer auch einen Schiffsuntergang impliziert, wobei ich natürlich nur ganz stark hoffen kann, dass wir mit unserem Schiff durch die Biskaya & Co. gesund gelangen werden, impliziert die Erfindung der atomaren Wissenschaft bei weitem nicht nur Gutes. Teilweise hofft man aber in älteren wie in neueren Zeiten, dass bereits die Abschreckung den Gegner von Gräueltaten abhält und so verhält es sich auch mit dem ersten französischem atomaren U-boot mit ballistischen Raketen, von denen innerhalb der elfjährigen Indienststellung kein einziger Raketenkopf abgeschossen werden musste.

Die „Redoutable“ ist weltweit das einzige Atom-U-Boot, das für die Öffentlichkeit freigegeben worden ist. Diese Singularität sollte sich leider auch in den exorbitant langen Warteschlangen niederschlagen, vor denen ich schmerztechnisch beinahe kapituliert wäre. Insgesamt mussten wir in der Warteschlange eine Stunde verbringen, was fast doppelt so lange war wie wir anschließend in dem bemerkenswerten U-boot verbrachten. Wie meine Fußärztin bereits während einer meiner letzten Konsultationen bei ihr äußerte, bin ich ja zwangsläufig in keiner Weise eitel, sondern kämpfe mit allen Mitteln um möglichst viele Schritte, mit welchen Schuhen, Bandagen und Orthesen auch immer.

Und so bewältigte ich die lange Wartezeit nur, indem ich mich immer wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht trotz meines frisch gewaschenen rosafarbenen Kleides auf den regennassen Boden in der Warteschlange setzte und mich fragte, ob in der gesamten empfohlenen Besichtigungszeit von um die vier Stunden bereits die einstündige Wartezeit vor der Hauptattraktion miteinberechnet ist. Mit Audioguides ausgestattet durften wir schließlich das Innere dieses singulären U-Boots betreten, bei dem ich immer wieder gegen meine Klaustrophobie ankämpfen musste, sind doch nicht nur die einzelnen Gänge relativ schmal und niedrig, sondern hielten sich zudem ausgesprochen viele Menschen in einer stickigen Luft in dem U-Boot auf.

Dank des Audioguides erfuhren wir, dass die mehreren Kilometer langen Rohrleitungen, welche das gesamte U-Boot durchziehen dazu dienen, Strom, Luft und Öl zur Versorgung des gesamten U-Bootes durchzuschicken und dass das Revolutionäre aller U-Boote in der Tatsache, dass Energie im Überfluss vorhanden ist, liegt, so dass damit auch locker ganz Cherbourg mit seinen knapp 80.000 Einwohnern versorgt werden könnte. Das meiste Technische in diesem U-Boot konnten wir natürlich gar nicht so recht begreifen, aber allein schon die Tatsache, dass dieses für einen Aufenthalt bzw. Patrouillenfahrten für bis zu 70 Tage unter Wasser konzipiert worden ist, ist absolut beeindruckend.

So ergibt es sich zwangsläufig, dass ständig auch Nachschub an Süßwasser benötigt wird, wofür es auch eigene Anlagen auf dem U-Boot gibt. Der Atomreaktor, welcher die gesamte Energie für das Schiff erzeugt, ist selbstverständlich auf jedem dieser Boote hermetisch abgeschlossen und hinter Bleitüren verborgen. In diesem Museumsschiff ist er ausgebaut worden und man sieht nur noch einen Nachbau. Dafür gibt es noch originale Anlagen zu bestaunen, durch welche das Meerwasser angesaugt und daraus Sauerstoff dank Filteranlagen gewonnen wird, so dass die gesamte Besatzung frische Meeresluft im Gegensatz zur verschmutzten Stadtluft einatmen kann.

Das Betreten der Raketensektion rief bei mir gemischte Gefühle hervor. Insgesamt kann man immer nur hoffen, dass das System der Abschreckung zuverlässig funktioniert und nie tatsächlich der Abschießbefehl gegeben wird, gerade wenn man bedenkt, dass allein bereits zwei der 16 an Bord befindlichen Raketen deutlich mehr Sprengkraft besaßen als die so zerstörerische Atombombe, welche über Hiroshima abgeworfen wurde. Insgesamt muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass in solchen Atombooten die einzigartige Kombination in Form von einer gewissen Anzahl an Menschen – bei der Redoutable waren es 135 Leute – , Raketen und einem extrem leistungsstarken Kraftwerk zusammenkommt wie sie ansonsten nirgends zu finden ist.

Die Existenz solcher Atom-U-Boote ist ja leider in heutiger Zeit aktueller denn je und tatsächlich fragten wir uns nach den letzten Atom-U-Booteinsatzplänen des amerikanischen Präsidenten, in welcher Tiefe diese eigentlich üblicherweise verkehren. Und es hat mich relativ erstaunt zu erfahren, wie tief diese eingesetzt werden können, nämlich in einer Tiefe von 50 -200 Metern, wobei stets versucht wird, um diese ja nicht orten zu können, sie an Stellen zu positionieren, wo die Meere alles andere als still sind, also z.B. der Gesang der Buckelwale oder einiger anderer Tiere eine zuverlässige Ortung von U-Booten erschwert oder gar unmöglich macht.

Auch wenn das Bordleben mit Sicherheit viel Arbeit bedeutet, ist das Leben der Besatzung in drei Teile Tag für Tag eingeteilt in Form von acht Stunden Schlaf (so viel bekomme ich so gut wie nie…), in acht Stunden Arbeit (da werde ich tagtäglich auf wesentlich mehr in Schule und Haushalt kommen) sowie in 8 Stunden Entspannung, aber auch Fortbildung sowie Wartungsarbeiten. Selbst wenn das Warten auf den U-Bootbesuch für die Füße schmerzend und enervierend war, hat es sich auf alle Fälle gelohnt, mit hilfreichen Erklärungen einmal selbst in einem Atom-U-Boot gewesen zu sein.

Zudem ist es der Stadt Cherbourg auf beachtenswerte Weise gelungen, mithilfe der Einrichtung der Cité de la Mer das alte Kreuzfahrtterminal im Art-déco-Stil gerettet und damit auch dem ersten französischem Atom-U-boot einen würdigen Ausstellungsraum gegeben zu haben, der seit der Eröffnung im Jahr 2002 gerade auch von der französischen Bevölkerung rege besucht wird.

Worauf ich im Anschluss absolut verzichten hätte können, war das plötzliche spurlose Verschwinden unseres Älteren. Wie so oft wird man ja für das Erreichen des Ausgangs durch einen Museumsshop geleitet, den ich immer schnellstmöglich durchquere. Schmerztechnisch hatte ich das Gefühl, dass ich keinen Schritt mehr gehen konnte und als ich mich gerade auf die rettende Bank niederlassen wollte, stellten der Jünger und ich fest, dass plötzlich der Ältere verschwunden war. Nach einigen sorgenvollen Minuten tauchte dieser wieder in dem Shop auf, nach weiteren nervigen Geschwisterzwistigikeiten begaben wir uns auf den zweiten Teil unserer Cherbourgentdeckungsreise und kauften dafür Bustickets, mit denen wir theoretisch 24 Stunden durch ganz Cherbourg hätten kurven können.

Dazu sollte es allerdings nicht kommen, da wir ja noch einige Ziele abzuklappern hatten und stark hofften, dies mit Leihfahrrädern absolvieren zu können. Cherbourg ist übrigens bekanntermaßen eine Regenhochburg, was den dortigen Sitz einer sehr renommierten Regenschirmmanufaktur mit dem wohlklingenden Namen „Le parapluie de Cherbourg“ bestens rechtfertigt. Die nachmittägliche Stimmung war bei allen drei von uns etwas gedrückt, bei mir aufgrund der starken Schmerzen, bei den Jungs aufgrund von aktueller Besichtigungsmüdigkeit und so bedurfte es einiger Überredungskunst, die Jungs in die allein schon von dem Hausmann-Baustil her beeindruckendem Bau der Regenschirmmanufaktur hineinzulocken.

Dort besuchten wir sofort das Museum und erfuhren allerlei Interessantes rund um die Regenschirme und dass Cherbourg bereits einigen Regisseuren als Traumkulisse für ihre Filme gedient hat. Deutlich weniger routiniert als die Filmemacher war leider unser Jüngster beim Öffnen einer der zwischen 250 und 300 Euro teuren, in Handarbeit angefertigten Schirme, so dass er kalkweiß vor lauter Schmerz wurde, hatte er sich doch den Finger in dem Regenschirmöffner (gibt es hierfür einen Fachbegriff?) gequetscht und ich hatte meine liebe Mühe, die eingequetschte Haut ohne größere weitere Verletzungen aus dem schneidenden Metall zu lösen.

Während ich mit unserem sehr tapferen Jüngsten zu einem kühlenden Wasserhahn eilte, bat ich noch im größten Stress unseren Älteren, doch bitte dieses Metallteil, das bei dem Fotoautomaten die von den Museumsbesuchern aufgenommenen Fotos nach dem Ausdrucken sammelte, und das unser Jüngster aus Versehen gleich mal mit großem Lärm auf den Boden riss, wieder anmontieren zu versuchen.

Die Lust auf einen ausführlichen Manufakturbesuch war mir in der Zwischenzeit vergangen, auch wenn die Regen-bzw. auch Sonnenschirme aus Cherbourg wirklich etwas ganz besonderes sind. Da der Regen aufgehört hatte und ich unbedingt noch zur plage de Querqueville, wo man den beeindruckend langen Deich bestens sehen kann, wollte, mussten wir uns rasch um ein Fortbewegungsmittel kümmern. Per pedes schied ja leider komplett aus und so steuerten wir eine Station des relativ neu eröffneten öffentlichen Radverleihs von Cherbourg direkt vor dem Office du tourisme an.

Mein Herzschlag schnellt bei all diesen Entleihaktionen immer wieder zuverlässig in die Höhe, waren wir doch schon mit all zu vielen Problemen diesbezüglich konfrontiert in letzter Zeit konfrontiert worden. Als ich gerade im Fremdenverkehrsbüro fragte, noch allzugut das Fahrraddesaster in Tallinn in Erinnerung habend, ob ich auf einen erstellten Radaccount auch drei Räder entleihen dürfe, bejahte der freundliche Mitarbeiter zwar, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass er in der letzten Zeit von vielen Touristen gehört habe, dass die Kontoerstellung nur mit der Hinterlegung einer französischen Handynummer funktionieren würde.

Mein Herz rutschte mal wieder etwas in die Hose, hatten wir doch keine andere Fortbewegungsalternative. So versuchte ich mein Glück in der gleichzeitigen Angst, gleich keine mobilen Daten mehr zu haben – aus irgendeinem Grund ist es seit Jahren nicht realisierbar, meinen Handyvertrag auf ein akzeptables Datenvolumen upzugraden und so war vor kurzem auch unsere jüngere Tochter basserstaunt, als ich ihr von meinem dermaßen geringen Datenvolumen, das mir monatlich zur Verfügung steht, erzählte.

Nach einigem Zittern glückte die Accounterstellung tatsächlich und nach weiterer Zeit gelang es mir, mit der Hilfe von auf mein Handy geschickten Codes drei Fahrräder bei der betreffenden Entleihstation zu entsperren. Hatten sich die Zwillinge in diesem Rahmen schon desöfteren E-bikes gewünscht, hatte ich ihnen diesen Wunsch immer nicht nur aus Kostengründen immer abgeschlagen, fürchtete ich doch einfach stets, dass sie mit diesen elektrisch angetriebenen Rädern viel zu schnell unterwegs sein würde, wenn sie schon mit den normalen Rädern ständig an die geltenden Verkehrsregeln erinnert werden müssen.

In Cherbourg gab es jedoch nichts anderes und mir wurde auch rasch klar, warum es sich so verhält. Herrscht doch selbst bei relativ gutem Wetter stets ein mehr oder weniger stärkerer Wind zumindest in der Küstennähe, welcher das Fahrradfahren ohne elektrische Hilfe deutlich erschwert. So jedoch raste mein Herz erst einmal und ich konnte die erste Zeit nur inständig beten, dass sich kein Unfall ereignen würde. „Mama, das ist echt geil so ein E-bike zu fahren“, stellten die Jungs hocherfreut fest. Und so fuhren wir an der imposanten Napoleonstatue und einem der ältesten Bauwerke der Stadt, der gotischen Basilika Ste-Trinité vorbei, bevor die Jungs in regelmäßigen Abständen durch allerlei Ermahnungen und Androhungen am völligen Wegbrausen gehindert werden mussten, bis wir schließlich den etwa 8 Kilometer entfernten Strand von Querqueville erreichten.

Während der gesamten Radfahrt entlang der Küste hatten wir einen selten zuvor erlebten ausgesprochen intensiven Meeresgeruch, der von Salz geschwängert einen starken fischigen Geruch versprühte, in der Nase und vor Augen auf der rechten Seite den rauen Atlantik. Liebe Ana, ich vermute, dass wir einen ganz ähnlich intensiven Meeresgeruch während unseres Radfahrens an der normannischen Atlantikküste verspüren durften wie du von einem ähnlichen immer in Portugal schwärmst.

Die Zeit drängte und so kehrten wir schweren Herzens in Querqueville wieder um und radelten noch für einige Minuten im Zentrum von Cherbourg herum, wo wir vor dem eleganten Theater „Le Trident“ noch eine kleine Brotzeitpause einlegten, welche wir später noch ausgesprochen bereuen sollten. Bereitet mir viel zu oft das Fahrradentleihen größten Stress, gestaltete sich die Fahrradrückgabe, unabhängig, ob dies in Estland, Dänemark oder auch Paris war, stets als relativ unkompliziert, so dass ich hierfür sowieso schon einen Zeitpuffer von 15 Minuten eingeplant hatte, bevor wir den letzten Shuttlebus zurück zum Schiff bekommen mussten, was unter normalen Umständen absolut gereicht hätte.

Wir schlossen das erste Fahrrad ab, das zweite mussten wir bereits aufgrund der bis auf den letzten Platz vollständig belegten Fahrradplätze wie bei einem Einkaufswagen an ein anderes mit der Fahrradkette hängen, was jedoch problemlos funktionierte. Die App bestätigte uns die korrekte Rückgabe der ersten beiden E-bikes. Nun musste „nur“ noch das Rad unseres Jüngsten versperrt werden, wir versuchten es unzählige Mal, an den verschiedensten Fahrradketten, da die Fahrradstation mittlerweile so überfüllt war, dass man weitere Fahrräder analog zu aneinandergereihten Einkaufswägen im Supermarkt „einfach“ aneinander ketten sollte.

Mein Französisch ist bestens, und die Absperrtechnik hatte ja auch bei den ersten beiden zurückzugebenden Fahrrädern bestens funktioniert. Ich weiß bis heute nicht, warum es beim dritten Fahrrad bei keinem unserer Versuche auch nur irgendwie klappen sollte. Verzweifelt sprach ich mehrere Passanten an, welchen das Abschließen auch nicht gelang. Da ich jedoch unmöglich das teuere Fahrrad unabgesperrt auf der Straße lassen konnte, verpassten wir tatsächlich den letzten Shuttlebus. Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits das Schiff ohne uns wegfahren und/oder mein Konto um 1000 Euro ärmer, wenn ich für den Verlust des E-bikes hätte aufkommen müssen.

Der letzte Shuttlebus war unwiderruflich ohne unsere Anwesenheit abgefahren, doch schickte uns der Himmel plötzlich einen sehr netten, jüngeren Franzosen, dem gelang, was allen anderen nicht gelang: das Fahrrad konnte ordnungsgemäß abgesperrt werden und wurde endlich auch in der Fahrradapp als zurückgegeben vermerkt. Meine Erleichterung wurde deutlich geschmälert durch das Wissen nun schnellstmöglichst – und das mit größten Fußschmerzen- zum Schiff zurückzugelangen, was uns glücklicherweise in letzter Minute noch gelang.

Versuche ich ja wirklich alles für wenigstens eine kurzfristige Schmerzlinderung und versprechen die Sauna- bzw. Dampfbadbesuche bezüglich der Entzündungen immer eine kleine Erleichterung, freute ich mich, dass anderes als auf den AIDA-Schiffen, bei den „Mein Schiff“-Äquivalenten bereits die Nutzung des Wellnessbereiches inkludiert ist. Und so nutzte ich die letzte Stunde vor Schließung des Saunabereiches, als die Söhne zur abendlichen Stunde lieber noch einmal in die Arena wollten – wundersamerweise erwachen all ihre Lebensgeister, unabhängig von ihrer Müdigkeit während der Landgänge – stets zuverlässig bereits beim ersten Betreten des Schiffes – , fast ganz allein dazu, einen Saunagang in der Biosauna sowie im wohltuenden Kräuterdampfbad zu absolvieren.

Selbstverständlich ist das Fotografieren im gesamten Wellnessbereich verboten, aber da außer mir offenbar alle entweder noch beim Abendessen saßen, einer Theatershow folgten, an den Bars einen Drink zu sich nahmen oder was auch immer, hatte ich den gesamten Wellnessbereich für mich allein, so dass ich während eines Saunaganges sogar einen wunderschönen Sonnenuntergang – le coucher du soleil- fotografieren konnte.

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