Die Toten von nebenan von Olivia Monti aus dem Novum-Verlag

Zu keiner anderen Zeit werden so viele Bücher wie zu den Haupturlaubs-bzw. Ferienzeiten gelesen. Diesem Faktum kann glücklicherweise auch keine noch so starke Digitalisierung entgegenwirken. Und so trifft es sich hervorragend, dass nun ganz aktuell ein spannender Roman von Olivia Monti in dem Novum-Verlag erschienen ist, der bereits mit seinem Untertitel „Das tote Viertel“ eines der Romanthemen in Form der Doppelköpfigkeit bzw. völlig unterschiedlichen Perspektiven vorgibt. Bereits die anfängliche Szenerie klingt vielversprechend, wenn man von einer Radfahrerin liest, die nach einem Fahrradunfall nach Hause zurückkehrt und nichts mehr vorfindet, wie es vor dem Unfall war.

Als sie dort auf längst verstorbene ehemalige Nachbarn trifft und bald noch ihrer eigenen verstorbenen Großmutter begegnet, muss sie schnell feststellen, dass sie ebenfalls von dem Reich der Lebenden in das Reich der Toten wechseln musste, aber immerhin in ihrem alten Haus ihren gewohnten Alltag, allerdings für alle Lebenden unsichtbar, fortführen kann. Das harmonische „Miteinanderleben“ währt nur so lange, bis ein Mann ins Viertel zieht, der den Toten ein paradiesisches Leben auf Erden verspricht unter der Prämisse, dass es diesen erst einmal gelingt, alle Lebenden aus ihren Häusern zu vertreiben.

Auf knapp 300 Seiten kann man den teilweise sehr kuriosen Handlungsplot verfolgen und miterleben, ob die Vertreibung der Lebenden den Toten erfolgreich glückt. Die promovierte Juristin Natascha Olivia Kleinknecht mit dem Künstlernamen Olivia Monti zog die freie Autorenschaft den Rechtswissenschaften vor und verfasst seit Jahrzehnten „schaurig-schöne“ Kriminalromane in den so inspirierenden Orten von Ludwigsburg und Zürich, so dass wohl auch der Boden- und der Zürichsee die Kreativität gefördert haben werden. Aus der Perspektive der Toten alle Handlungsstränge zu lesen, erscheint häufig als skurril, bietet aber nicht nur ein sehr reizvolles Lesevergnügen, sondern regt immer wieder auch über den eigenen Umgang mit der Endlichkeit des Lebens sowie der Trauer um Nahestehende an. Der Roman ist temporeich geschrieben und wirkt auch aufgrund der zahlreichen Dialoge sehr kurzweilig. Zudem ist er in viele, relativ kurze Einzelkapitel unterteilt, was sich sowohl ideal als Urlaubs- oder auch als Gute-Nacht-Lektüre anbietet. Und nicht zuletzt findet sich relativ am Ende nicht nur das so gut wie immer passende Ovidzitat mit „Omnia Vinci amor“, sondern man stößt zudem auf ein überraschendes Ende, das einen unter anderem wohl immer wieder deutlich gelassener auf zahlreiche Alltagsprobleme blicken lassen wird.

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