Moulin Rouge-Musical, Montmartre, Melodienfeuerwerk, Magie, Mehrsprachigkeit

Wie die Mehrheit der Menschen werde leider auch ich nicht von gepflegten Vorurteilen verschont. Und so ging ich jahrelang davon aus, dass das Musical Moulin Rouge, das in direkter Hauptbahnhofsnähe in dem extra dafür aufwändig umgebauten Musical Dome bereits seit Oktober 2022 tagtäglich aufgeführt wird, für uns nicht unbedingt besuchenswert sei.

Dann wurde ich innerhalb kurzer Zeit eines Besseren belehrt. Als ich vor wenigen Wochen mit unseren Töchtern in der „Nacht der Musicals“ im Deutschen Theater war – wo witzigerweise rein zufällig direkt hinter uns zwei meiner ehemaligen Lateinschülerinnen saßen  -, gefielen uns neben den Ausschnitten aus „Elisabeth“ ganz besonders gut die Performances aus „Moulin Rouge“. Und als uns nun auch noch unsere lieben Aachener Verwandten die Verfilmung von Moulin Rouge mit Nicole Kidman als DVD mit auf den Weg gaben, steigerte sich unsere Vorfreude auf eine Livedarbietung dieses Musicals in Köln noch weiter.

Unbestritten weist dieses Musical einige Besonderheiten im Vergleich zu dem Großteil anderer Stücke auf. So störte mich zu Beginn das Wissen, dass die einzelnen Lieder bzw. Melodien nicht alle extra für dieses Musical komponiert wurden, sondern dies quasi ein ausgesprochen gelungenes Arrangement melodischer eingängiger Klassiker ist. Insgesamt ist das Moulin Rouge, das einen natürlich unverzüglich in das Pariser Viertel des Montmartre versetzt, ein äußerst stimmiges Gesamtkonzept, das seit Jahren vollkommen zu Recht als Publikumsmagnet für alle Musicalliebhaber von Nah und Fern fungiert.

Das Musical ist von Anfang an sehr temporeich konzipiert und zieht alle Zuschauerinnen und Zuschauer in seinen Bann. Bereits eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn gibt es eine recht sehenswerte Preshow, bei der man sich sofort in die Pariser Kulisse versetzt fühlt. Die Handlung von „Moulin Rouge“ ist nicht sonderlich komplex, sondern hat im Prinzip als Thema die Zerrissenheit der Protagonistin in Form einer schillernden Tänzerin aus dem berühmtesten Nachtclub von Paris des späten 19. Jahrhunderts zwischen der Wahl einer Beziehung aus Liebe und der aus Vernunftgründen.

Man kann sich an den farbprächtigen Kostümen und den mitreißenden Tanzdarbietungen kaum sattsehen, zudem kommt einem der Großteil der Gesangsdarbietungen von der Melodie und/oder dem Text ausgesprochen bekannt vor, spannt dieses Musical doch mit 75 Songs einen großen musikalischen und zeitlichen Bogen. So wird von Offenbach bis Lady Gaga mit Sicherheit jede/r ihre Lieblingsmusik finden.

Versteht man in vielen Opern, Operetten oder anderen musikalischen Aufführungen oft den Inhalt des Gesungenen nicht, ist es bei diesem Musical ein weiterer Vorteil, dass sowohl die Sprechrollen auf Deutsch gestaltet sind als auch viele der Songs auf Deutsch oder auch in gut verständlichem Englisch gesungen werden.

Der Vorstellungsbeginn um 19.30 Uhr – am Wochenende gibt es jeweils auch noch eine zusätzliche Aufführung um 14.30 Uhr- ist ideal angesetzt, so dass man nach der Aufführung beschwingt und nicht völlig übermüdet den Nachhauseweg antreten kann, aber davor auch noch genügend Zeit zum Abendessen, für Besichtigungen oder was auch immer hat. Ich persönlich hatte mich nach unserer Radtour entlang des Rheines tagsüber noch zu einem ganz kurzen Saunabesuch entschlossen, da der lieben Tochter nach der sportlichen Ertüchtigung eher der Sinn nach einer einstündigen Entspannung auf dem Zimmer als unter lauter unbekleideten Menschen stand.

Sehr weit kam ich allerdings auch nicht in dem Bad, da mich relativ schnell ein Mann ansprach, der sich bei uns bereits an unserem Ankunftstag auf der Sonnenterasse nach den Zügen nach Aachen erkundigt hatte. Während mir auf der Terrasse nur die Sprache unserer Konversation, nämlich das Englische unangenehm war, wirkte nun die ganze Situation etwas skurril, da wir ja beide in dem kleinen Pool unbekleidet waren und relativ dicht beieinanderstanden.

So musste ich wenigstens eine mir konvenierendere Sprache finden. Als ich den Londoner Geschäftsmann fragte, ob er denn auch in London geboren sei, nannte er mir mit einem Strahlen im Gesicht Marrakech als seinen Geburtsort, was mich wiederum strahlen ließ, konnte ich doch nun endlich das ungeliebte Englisch verlassen und in das Französische wechseln. Nachdem er mir von seinem Biologiestudium in Marokko und Montréal berichtet und erzählt hatte, dass er nun für eine Londoner Rückversicherung arbeitet, musste ich mich von ihm zügig verabschieden, da wir ja rechtzeitig zur Musicalaufführung losradeln mussten. Er bot sich sofort freudig als unsere Begleitung an und schwärmte davon, dass er nicht nur alle Musicals ebenso liebt wie wir, sondern, dass er sogar Vater eines Sohnes ist, der eine der sechs Hauptrollen in dem Musical Wicked in London innehat.

Auf sein Begleitangebot ging ich selbstverständlich nicht ein, aber tatsächlich finde ich, dass das Kennenlernen von anderen Kulturen und Menschen einen Großteil des Reizes aller Reisen ausmacht. Übrigens sind die Garderobieren in dem Musical Dome in Köln um ein Vielfaches schneller als es die Angestellten im Deutschen Theater sind.

Angesichts der herausströmenden Menschenmassen hatte ich mit einer längeren Wartezeit gerechnet und war ausgesprochen positiv überrascht, dass wir bereits wenige Minuten nach dem Einreihen in die Warteschlangen unsere Jacken erhielten und sofort losradeln konnten. Allen Kölnbesuchern können wir einen Radentleih bei der Radstation sehr ans Herz legen. Es ist wunderbar, durch ganz Köln und besonders natürlich auch an den Rheinufern entlang zu radeln und dabei gleichzeitig sogar ein soziales Projekt durch das Radausleihen bei der Radstation  zu unterstützen. Wie bei jedem Aufenthalt statteten wir auch dieses Mal meinem viel zu früh verstorbenen Großonkel, zu dessen Ehren ein Platz bei dem Neubauviertel mit den Kranhäusern benannt worden ist, einen Besuch ab. Köln fasziniert mich immer wieder durch die gelungene Mischung aus vielen unterschiedlichen architektonischen Richtungen, welche sich allesamt zu einem harmonischen Gesamtwerk zusammenfügen.

Und genauso wie wir von Kölns Architektur begeistert sind, waren wir es auch von der Darbietung des Musicals Moulin Rouge, welches die Zuschauer von der ersten Minute in seinen Bann zieht. So muss man nicht nach Paris reisen, sondern kann Montmartre ebenso direkt am Rhein erleben. Auf diese Weise wurde aus den drei Schlagworten der französischen Revolution égalité, fraternité, liberté der Viersatz der Begriffe gebildet, der für das Leben gemäß der Geschichte von Moulin Rouge zählt: Wahrheit, Schönheit, Freiheit und Liebe, welche die unterschiedlichen Musicalcharaktere vortrefflich verkörpern.

Beitrag veröffentlicht

von

Schlagwörter:

Weitere Beiträge

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert