
Ganze zwei Wochen bin ich immer mit steif gefrorenen Fingern zur Schule hin- und zurückgeradelt, habe ich es doch nie geschafft, für Ersatz für das verlorene Handschuhpaar zu sorgen. Nach einer extrem stressigen Woche mit viel zu vielen zusätzlichen Belastungen und Sorgen erlaubte ich mir relativ spontan eine Miniauszeit in Garmisch.

Und es war eine glückliche Fügung, als mein Blick gleich am Ortseingang auf ein Sportfachgeschäft fiel. So erstand ich bei einer Verkäuferin, die zunächst sehr unfreundlich erschien, für den Fall der Fälle gleich zwei Paar Handschuhe. Als ich ihr auf die Nachfrage, ob ich auch über Nacht in Garmisch bleiben würde, brav zur Antwort gab: „Ja, ich habe ein Zimmer im Staudacherhof.“, erwiderte sie sichtlich erfreut: „Das ist ja fancy!“

Da ich dieses Adjektiv nicht unbedingt als erstes mit einem alteingesessenen Garmischer Hotel verbunden hätte, fragte ich etwas irritiert nach, ob das jetzt positiv gemeint sei. „Ja, auf alle Fälle ist der Staudacherhof ein sehr traditionelles Hotel mit einem tollen Spa. Und sie sind spezialisiert auf Yoga und ayurvedische Massagen.“
Bei leichtem Schneefall – ich hatte noch in der Nacht zuvor um 1.00 Uhr sehr lange nach passenden Schneehosen für unsere Zwillingssöhne in allen Kellerschränken gesucht, für mich wurde ich dabei leider nicht fündig…-, bekam ich den Satz an der Rezeption zu hören, den ich tatsächlich in meinem gesamten Leben bis jetzt noch nie vernommen hatte: „Sie haben ein Zimmerupgrade bekommen!“

Und dies ließ sich wahrlich sehen. Statt des gebuchten Einzelzimmers durfte ich mich in einem herrlich geräumigen Doppelzimmer häuslich niederlassen. Für meine Mutter wäre dieses nicht das Optimum gewesen, lag es doch direkt neben dem Aufzug, aber für mich war es wunderbar. Die unvermeidlichen Korrekturen, dieses Mal in Form von Stegreifaufgaben, begleiteten mich natürlich auch an diesem Wochenende. Aber es korrigiert sich ungemein einfacher mit einem gut gefüllten Magen mit diversen Kuchenköstlichkeiten sowie einem wohlig warmen lodernden Kaminfeuer.

Bei meiner Ankunft im Hotel nahm ich freudig meinen Schlüssel, der wirklich noch im Gegensatz zu den Exemplaren in den meisten anderen Hotels, in denen es die windigen Karten als alleinige Türöffner gibt, als solcher mit Fug und Recht bezeichnet werden darf, begleitet von den folgenden Worten des Rezeptionisten in Empfang: „Der große Schlüssel des Zimmers ist leider von Ihrem Vorgänger aus Versehen nach Südamerika mitgenommen worden, so dass ich Ihnen nur noch diesen kleinen geben kann.“

„Überhaupt kein Problem, ich werde gut darauf aufpassen“, erwiderte ich und steckte ihn sofort vorsichtig in die Wellnesstasche. Mir ist es völlig schleierhaft, aber obwohl ich beim Auschecken verzweifelt in meinen Manteltaschen, der Wellnesstasche, meinem Koffer, in jeder Bettritze und an jedem anderen erdenklichen Ort nach dem Schlüssel gefahndet hatte, blieb dieser unauffindbar, was mir extrem unangenehm war.

Bei der Abreise konnte ich nur ganz stark hoffen, dass er irgendwo im Hotel wieder auftauchen würde, habe ich ihn doch mit Sicherheit nie nach draußen, geschweige denn auf einen anderen Kontinent mitgenommen… Und tatsächlich erhielt ich nach wenigen Tagen die erfreuliche Mitteilung, dass er im Hause wieder von einem lieben Mitarbeiter gefunden worden war.

Von 12.00 – 14.30 Uhr bietet der Staudacherhof in Form einer „Honest-Bar“ eine kleine Auswahl an einer heißen Suppe, Brot und kleinen Terrinen mit Fisch und Fleisch zu sehr akzeptablen Preisen an. Am Nachmittag kann man sich von 15.00 -16.30 Uhr nach Herzenslust am Küchenbüffet bedienen.

Hier fände ich es wünschenswert, wenn auch noch die Heißgetränke nicht extra bezahlt werden müssten. Getränkemäßig ausgesprochen positiv zu vermerken ist die Existenz des überall im Hause vorhandenen Granderwassers, das man kostenlos genießen kann. Und mit Wasser geht es auch im Wellnessbereich im unteren Stock des Hotels weiter.

Seine Bahnen kann man im kleinen, aber feinen Innenpool ziehen, der nach meinem Gefühl auch noch ein, zwei Grad wärmer hätte sein dürfen. Auf alle Fälle hat man sowohl einen wunderbaren Ausblick auf den, in unserem Fall sogar schneebedeckten, Außenbereich als auch auf einen von mehreren im Hotel mit Sorgfalt ausgewählten Sinnsprüchen: „Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“

Und dies Zitat des bekannten zeitgenössischen Lehrers Ernst Ferstl (auf der Wand hat sich irgendwie statt des „t“ ein „e“ bei dem Sinnspruch verirrt…) kann man sogleich in der im Gartenbereich gelegenen Sauna bzw. einem Whirlpool in die Tat umsetzen. Dort kann man die Zeit bestens in das Schwitzen und die Gesundheitsprophylaxe in dieser erkältungsanfälligen Winterzeit investieren.

Auch im Garten gibt es einen weiteren Pool mit ganzjährig geheiztem Wasser, so dass man stimmungsvoll mit einem faszinierenden Ausblick auf die Alpspitze auch im Freien seine Bahnen ziehen kann. Allerdings kam es leider dazu am ersten Abend nicht mehr…Liebe Andrea, es ist mir immer noch total unangenehm, welch jähes Ende unser Ankunftsabend im Wellnessbereich genommen hat. Und wärst du nicht Ärztin hätte ich ja sogar die Nacht im Krankenhaus verbringen müssen…

Offenbar war ich die letzten Tage vor lauter Schlafmangel, großem familiärem Ärger und Schulstress in einem dermaßen hohen Daueranspannungszustand, dass mein Körper bereits nach dem ersten Kurzaufenthalt in der Biosauna mit nur 65 ° Grad rebellierte und leider eine Synkope meinerseits unaufhaltsam war.

Da sich mein Kreislauf leider nicht wie erhofft durch ein kurzes Ausruhen stabilisierte, hatte der Masseur die Rettungssanitäter gerufen, welche nach einigen Minuten im Wellnessbereich erschienen. Mir war die gesamte Situation ausgesprochen unangenehm, hatte ich doch zum einen meiner lieben Freundin Andrea, die sofort mit großer Geduld meine Beine ausdauernd nach oben streckte, dadurch die Möglichkeit zum Ausprobieren des Innenpools genommen.

Zudem war es mir ziemlich peinlich, nur mit einem großen Handtuch bedeckt vor den beiden Garmischer Sanitätern zu liegen. Diese waren ausgesprochen sympathisch und gelassen und stellten gleich kurz nach ihrem Eintreffen erfreut fest: „Auf diese Weise lernen wir auch einmal den Wellnessbereich hier kennen.“ Und der andere fügte hinzu: „Ach, da fällt mir gerade ein, dass ich noch einen Wellnessgutschein zum Einlösen im Staudacherhof habe.“

Das Blutdruckmessgerät zeigte leider ziemlich lange sehr niedrige Werte von 80:45 an. Wann immer ich versuchte, vom Liegen in das Sitzen zu kommen, wurde mir sofort wieder schwarz vor den Augen. Ich hatte so sehr gehofft, mich an diesem Wochenende ausnahmsweise mit keinen medizinischen Besonderheiten befassen zu müssen und nun war ich es, bei der auch noch zur Sicherheit der Blutzucker gemessen wurde.

Dieser war beruhigenderweise auf keinen Fall zu niedrig, sondern bildete mit einem Wert von 151 sehr wahrheitsgetreu meinen großen nachmittäglichen Kuchenkonsum ab. So waren zwar der Stress und die psychischen Belastungen der letzten Wochen und Monate nicht spurlos an mir vorbeigegangen und die ersten Stunden eines solchen Kurzurlaubs würde man sich mit Sicherheit entspannter wünschen, aber ich bin sehr dankbar, dass alles glimpflich ausgegangen ist und ich dabei ja auch noch das große Glück hatte, immer in den allerbesten medizinischen Händen zu sein, liebe Andrea!

Und so konnte ich am Samstag die übliche Hetzerei zwischen Frühstücksvorbereitungen, Hundespaziergang, Hausaufgabenbetreuen, gemeinsames Üben der Musikinstrumente, dem Haushalt und dem mittäglichen Kochen für die gesamte Familie gegen einen entspannten Bummel in der Garmischer Innenstadt eintausche. Grundsätzlich empfinde ich meistens das Shopping als ziemlich verlorene Lebenszeit und gebe mich diesem „Vergnügen“ sonst nie hin, aber mit dir, lieben Andrea, war es ausgesprochen inspirierend und ich konnte mich am Ende der Tour über eine ansehnliche Ausbeute an den unterschiedlichsten Weihnachtsgeschenken erfreuen. Zudem gedachten wir beide unserer verstorbenen Väter mit einer Kerze in der wunderschönen St.Martin-Kirche.

Vor unserer Shoppingtour hatten wir uns an dem Frühstücksbüffet gestärkt, das keinen Wunsch unerfüllt lässt und sogar auch mit vielen gluten- und laktosefreien Speisen aufwartet. Zudem kann man sowohl mit einem Entsafter seinen ganz persönlichen Lieblingsgemüsesaft, z.B. in Form eines Karotteningwerapfelsaftes als auch als süßen Abschluss köstlich duftende Waffeln mit Karamell-, Schokoladen- oder auch einer Fruchtsoße frisch zubereiten.

Ausgesprochen freundliche Mitarbeiter, welche nicht nur zwanghaft bemüht zuvorkommend wie es sonst manchmal im Hotel der Fall ist, sondern ganz ehrlich herzlich sind, erfüllen jeden Getränke- oder auch besonderen Eierspeisenwunsch.

Der Staudacherhof ist ein alteingesessenes Hotel, das bereits im Jahr 1907 gegründet wurde und welches sich mitten in einem ruhigen Garmischer Straßenzug befindet, von dem aus man rasch sowohl im Stadtzentrum als auch in den Bergen ist.

Nur eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt liegt der traumhaft schöne Eibsee, der in den Wintermonaten deutlich weniger als im Sommer frequentiert ist. Leider schmerzt mich ja mittlerweile dauerhaft jeden Tag jeder Schritt, aber einige Meter an dem See mit Blick auf das spektakuläre Bergpanorama und auf das Wasser, das je nach Lichteinfall beständig seine Farbe ändert, sind ein ganz besonderes Erlebnis.

Der Staudacherhof ist zu jeder Jahreszeit einen Aufenthalt wert, sei es zum Wellnessen, als Ausgangspunkt für Wanderungen oder zum Skifahren oder allen anderen sportlichen Aktivitäten oder einfach als ideale Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten.

Und eine kleine Anekdote zum Schluss: drei Tage nach dem wunderbaren Aufenthalt im Staudacherhof schaffte ich es endlich mal wieder zu meiner allerlangjährigsten Freundin, welche ich bereits seit der ersten Grundschulklasse kenne, zum Yogakurs zu gehen, als sie mir sofort folgendes berichtete: „Stell dir vor, Doro, gestern schaute eine Kursteilnehmerin von mir gebannt auf das Foto mit uns zwei am Spiegel und meinte: „Die Frau kenne ich doch. Die war doch auch im Staudacherhof. Ich war ganz fasziniert zu sehen, dass die gestrickt hat, sogar mit einem Muster, und dabei immer geredet hat.“ „Ja“, lachte Ulla, „Das muss die Doro gewesen sein.“ In jeder freien Minute bin ich gerade in den Monaten vor dem alljährlichen Adventsmarkt mit dem Stricken der beliebten Spültücher aus Biobaumwolle beschäftigt, so dass ich auch die dortigen Abendstunden für die Fertigstellung eines weiteren Exemplars nutzte. Liebe Petra, ich freue mich, wann immer wir uns wieder begegnen, sei es bei Ulla im Yoga oder auch mit Ulla im Staudacherhof!

Vorteile:
- Granderwasser im gesamten Hotel, vom Kaffee und Tee bis hin zum Poolwasser
- Exzellentes Frühstücksbüffet mit frisch gebackenen Waffeln und Gemüse-/Obstentsafter
- Familiäre und herzliche Atmosphäre
- Öffnungszeiten des Schwimmbads bis um 21.00 Uhr
- Zentral, aber dennoch sehr ruhig gelegen, fußläufig zur Garmischer Innenstadt, wo z.B. auch das traditionsreiche Trachtengeschäft Grasegger zu finden ist.
- Möglichkeit des Erwerbs sogenannter „Genussscheine“, dank derer man auf jede Buchung 5% Ermäßigung bekommt sowie 200 Euro jährlich auf eine Buchung geschenkt erhält.
- Nähe zu München oder aber auch zu der Zugspitze und vielen anderen Bergen

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